Ehrennadel der Stadt Verl

Ehrennadel der Stadt Verl.

Am 30.06.2022 habe ich für meine Arbeit in der Flüchtlingshilfe die Ehrennadel der Stadt Verl erhalten. Nachfolgend meine Dankesrede:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Herr Esken,
verehrte Ratsmitglieder, liebe Gäste hier im Rathaussaal.

Vielen Dank Herr Bürgermeister für die liebevollen lobenden Worte, die Sie gesagt haben, Danke, darf ich auch sagen im Namen von Margret Lütkebohle und Josef Freisen.

Als ich im Winter vergangenen Jahres den Brief mit dem Logo der Stadt Verl sah, habe ich als erstes gedacht: Mist, wo haben sie dich denn dieses Mal wieder erwischt. Zu schnell gefahren, falsch geparkt?

Als ich dann das mit der Ehrennadel las, war ich ganz platt. Das war etwas, was ich mir nie gewünscht habe, aber dennoch habe ich mich sehr gefreut.
Aber wenn ich mir diese Nadel jetzt anschaue, bin ich zwar sehr dankbar, aber so ganz sind meine Erwartungen doch nicht erfüllt.
Habe ich mir zu diesem Termin heute doch viele Gedanken gemacht und extra diesen Seitenschneider mitgebracht, um diese Nadel aufzuteilen für die vielen Menschen, die geholfen haben, das zu tun, wofür ich hier heute geehrt werde. Dafür ist sie deutlich zu klein.

Begonnen hat das Ganze, wohl 2015, auf dem Wideiweg.
Viele Flüchtlinge waren dort in der Schule untergebracht.
Und dann, abends von der Pausheide nach Sürenheide auf dem Wideiweg: Nacht, alles dunkel, schwarzer Mann, schwarze Kleidung, schwarzes Fahrrad – und kein Licht.
Da haben wir mit der Kolpingfamilie einen Reparatursamstag an der Schule geplant. Viele Mithelfer waren da. Fahrrad Dieter Krax war auch da, unentgeltlich.
Und dann ging es weiter: Unmengen an Fahrrädern wurden gesucht, weil die Flüchtlinge mehrheitlich außerhalb des Ortes untergebracht waren.
Herrn Arthurs Telefonnummer hatte sich schnell rumgesprochen. Und durch Aufrufe in Zeitungen und im Pfarrblatt, konnte ich in kurzer Zeit mehr als 500 Fahrräder, zunächst durch Krax teilweise repariert, an die Flüchtlinge weitergeben. Und so kannte jeder Arthur.
Wenn weitere Hilfe erforderlich war, bekam ich oft auch Kontakt über Mustafa Haroglu und Barbara Menne.
Sehr vielen Anfragen konnte ich helfen, weil mein Bischof in Paderborn mir nahezu unbegrenzt Geld für die Flüchtlingshilfe gegeben hat und noch gibt.
Da kommt sicher auch meine Motivation ins Spiel. Wir alle, die wir mindestens das Fundament eines christlichen Glaubens erhalten haben, wissen, dass das Gebot der Nächstenliebe an oberster Stelle steht. Das versuche ich zu leben.
 
Nach den Fahrrädern kamen die Fernseher – mit viel Hilfe von Pollmeier und Heiner Stroth konnten wir wahrscheinlich nahezu allen helfen.
Und nach den Fernsehern kamen die ersten Wohnungen.  Möbel wurden gebraucht, hier war die AWO mit Rudi Raeder an vorderster Front mit dabei und das bis heute.

Und die Probleme, und Hilfsnachfragen in den Familien ließen nicht nach. Es ging um Jobsuche, um Schulbesuch, Sprachkurse und „Bürokratie in Höchstform“.

Da kamen die Patenfamilien, die ich finden konnte, ins Spiel, die mit viel zeitlichem Einsatz die meisten Probleme lösen konnten, und bis heute erste Ansprechpartner von vielen Familien sind.
Von ihnen waren nicht nur große bürokratischen Hürden zu überwinden, sondern oft gab es auch medizinische Probleme, die die geflüchteten Gäste allein nicht bewältigen konnten. Und viele Fahrten zwischen Verl – Gütersloh – Bielefeld und Münster waren angesagt, im Regelfall auf eigene Kosten und das von allen gerne.

Natürlich war das für alle Beteiligten oft ein ziemlicher Zeitaufwand, aber alle haben mir bestätigt, dass der Dank der Flüchtlinge und die oft strahlenden Kinderaugen meistens eine reichliche Entschädigung waren.

Viele Flüchtlinge, auch wenn ich sie heute nach längerer Zeit treffe, sagen zu mir Papa oder Daddy und erzählen mir stolz von ihrer Familie, ihrem Arbeitsplatz und ihrem Dank an Deutschland und Verl für alle Hilfe.

Und wenn ich bei einer Flüchtlingsfamilie klingele und ein Kind macht die Tür auf und ruft ganz laut erfreut: Mama, Mama, Opa ist da!
Wissen Sie, dann ist die Ehrennadel eine nette Zugabe.

Ganz herzlichen Dank an die vielen Menschen, die an meiner Seite den Flüchtlingen eine gute und liebevolle Willkommenskultur gezeigt haben, auch wenn sie auch nicht arabisch, nicht Farsi oder Paschtu sprechen konnten. Ich auch nicht. Oft zählt allein die Mimik und die offenen Hände.

Auch ganz herzlichen Dank an Barbara Menne, Mustafa und andere Mitarbeiter der Stadt Verl, für die Unterstützung, die sehr oft mehr war, als man unbedingt tun musste und im Regelfall unproblematisch und unbürokratisch.
Ähnliches kann ich auch über die VHS und das Jobcenter sagen.

Ganz lieben Dank an meine Familie, die sich oft mehrmals täglich an Besuch aus
-zig Staaten dieser Erde gewöhnen musste und mich in jeder Hinsicht unterstützt hat, auch wenn an manchen Tagen das Telefon nicht stillstand, nicht vor 23 Uhr jedenfalls.

Darum, die nächste Verdienstnadel bitte deutlich größer, denn viele, sehr viele haben diese in Verl verdient.

Und diesen Ausführungen schließen sich auch Margret Lütkebohle und Josef Freise an. Natürlich muss man manchmal die Initiative ergreifen, aber sehr schnell finden sich Helferinnen und Helfer, die oft scheinbar auf die Ansprache warten und mit viel Engagement einsteigen. Nur gemeinsam kann man diesen großen Nachfragen nach Hilfe ansatzweise gerecht werden. Das ehrenamtliche Engagement in Verl findet sich in jedem Viertel und jedem Straßenzug und jedem Verein unserer Gemeinde und das tut gut und nur so geht’s.

Und schön ist es, wenn man nach einigen Monaten oder auch Jahren, diese ehemaligen Flüchtlinge oder Familien wieder trifft, man kennt nur das Gesicht, aber meistens mit einem Strahlen vor Freude. Immer wieder bin ich sehr erstaunt, wie gut sie in Verl, bzw. Deutschland angekommen sind. Sie haben im Regelfall den größten Beitrag geleistet.  

Danke.

One comment on “Ehrennadel der Stadt Verl

  1. Thomas Huneke sagt:

    Lieber Arthur ,
    meinen herzlichsten Glückwunsch zu dieser Auszeichnung.
    Liebe Grüße
    Thomas

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