Predigt – 5. So. Ostern 2019, Offenbarung + Joh. 13,31 35-

Predigt – 5. Sonntag der Osterzeit – 19. Mai 2019 –
Es sollte eigentlich eine beispielhafte Liebesgeschichte werden. So wie man sich echte und tiefe und ehrliche Liebe vorstellt.
Das Gefühl, man gehört zusammen, egal was kommt.
Alles Denken und Tun ist geprägt von Hilfsbereitschaft, dem Gefühl – wir haben uns wirklich lieb.
Jetzt nicht wie bei „Traumschiff“ oder sonstigen Kitschfilmen – eine ehrliche echte, dauerhaft haltbare Liebesgeschichte sollte es werden – die Geschichte unserer Kirche.
Daraus geworden ist alles andere als das.

Natürlich gab es tolle Menschen, beispielhafte Leistungen, vorbildliches Leben, zutiefst gelebte Liebe – aber mit den Lieb-losigkeiten unserer Kirche könnte man ein ganzes Lexikon füllen.

Da muss ich jetzt nicht alles aufzählen:
– wie die Bekehrung mit dem Schwert,
– die Realitäten über Folter und Inquisition,
– die düsteren Machenschaften einiger Päpste,
– die Protzbauten und Limousinen mancher Bischöfe,
– die scheinheilig aufgemotzten Kirchen und bis heute –
– tausende geschädigten Kinder und Frauen.
So eine Liebesgeschichte braucht niemand!

Wie sagt Jesus in seinen Worten und in seinen Taten?
Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Ist das überhaupt möglich?
Kann das Realität, kann das Alltag bei uns Christen sein oder werden?
Oder ist das nur mein Traum und – natürlich – der Traum von Vielen?
Ein schlechter Traum, der vielleicht gar keine Chancen hat?

Gibt es für so eine Liebesgemeinschaft überhaupt eine Hoffnung?
„Lieben wie er“ ist das nicht eine nicht machbare Zumutung für jeden Menschen?

Ja Freunde, ich glaube „Lieben wie er“, ist wohl die größte Zumutung des Christentums.
Wer nämlich wie Jesus diese Liebe im Leben lebt, muss sich mit seinem ganzen Leben einbringen – ein großer Einsatz, der viel, ja vielleicht alles erfordert und manchmal ohne Wenn und Aber.

„Lieben wie er“
heißt nämlich manchmal auch, dass man zum Weizenkorn werden wird.
Sich selbst loslassen, hintenanstellen, sich verschenken, darauf vertrauen, dass ER da ist, ja am Ende uns das neue Leben schenkt, bei ihm und mit ihm.

„Lieben wie er“ gar nicht so einfach, das ist wirklich nicht leicht. Das ist sicher die größte Prüfung unseres Lebens.

Aber, dieses Gebot Jesu Christi, sein Testament, ist die Kernaussage unseres Glaubens.
Wenn wir das ernst nehmen, dann müssen wir unser Leben und vor allem unser Tun neu in die Hand nehmen.
Wir müssen es neu gestalten und von heute an versuchen diese Liebe zu leben über alle Lieblosigkeit, allen Hass und Neid, über allem Streit hinweg neu leben im Vertrauen, dass er uns an die Hand nimmt und hilft.
Und damit dürfen, ja müssen wir jeden Tag neu beginnen.

Diese Prüfung unserer beispielgebenden Liebe ist schwerer als alle Abi-Klausuren und Führerscheinprüfungen.
Da helfen nicht die Tonnen von produziertem Papier unserer Kirche mit immer neuen Konzepten, da helfen nicht Sprüche und fromme Worte.

Seine, Jesu Prüfung trifft uns voll im Alltag, mitten im Leben.

  • bei der Hand, die wir nicht zur Versöhnung reichen
  • bei dem Getratsche über den Bekannten oder Nachbarn
  • bei den blinden Augen vor der Not anderer Menschen
  • bei dem Einsamen, der auf uns wartet
  • bei den tauben Ohren, beim Geschrei der verhungernden Kinder


In einem neuen modernen Lied heißt es: „Liebe ist nicht nur ein Wort, Liebe, das sind Worte und Taten!“

Jesus kennt uns und er setzt unendlich viel Vertrauen in uns, in jeden von uns.
 
Er traut uns zu, das wir, die wir seinen Namen tragen, nicht nach den Maßstäben dieser Welt handeln.

ER traut uns zu, dass wir, die wir zu ihm gehören, uns an dem orientieren, was er gesagt und getan und uns vorgelebt hat.
ER traut uns zu, dass wir Geduld haben, auch da wo es uns schwer fällt.
ER traut uns zu, dass wir einander ertragen und uns annehmen, auch da wo uns jemand nicht so liegt.
ER traut uns zu, dass wir verzeihen und nicht nur 7 mal, sondern 77 Mal, jedes Mal – ja, und auch da, wo wir nicht schuld sind.

Freunde – daran soll man uns erkennen, nicht mehr: „Wie du mir, so ich dir“, sondern „wie ich euch, so auch ihr untereinander“.
Ganz schön schwer manchmal – da stimmen sie mir sicher alle zu.

Jesus traut uns zu, dass wir lieben, wie er geliebt hat, unabhängig davon

  • ob jemand reich oder arm ist
  • angesehen ist oder verachtet
  • schön gekleidet ist oder ein Penner
  • deutsch spricht oder nigerianisch
  • intelligent ist oder lernbehindert

unabhängig davon, ob wir davon profitieren oder nicht.

Und, wenn es schwer wird?
Wenn wir die Kraft nicht aufbringen können?
Als erstes sind wir gegenseitig gefragt, uns zu helfen, zu unterstützen, auch zu erinnern – an seine Liebe!


Dann ist es gut, wenn wir uns unter seinen Regenbogen stellen, seinen Schirm der Liebe, den er über uns ausbreitet.
Und das gibt uns neue Kraft, einen neuen Anfang und wenn es sein muss, jeden Tag neu.


Wenn es schwer wird und wir ihn um Hilfe bitten – er wird uns einen Weg zeigen.
Irgendwie.
Hat er mir schon oft und dann wird er das bei euch auch lange tun – Wenn wir Ohren und Herz öffnen!

Wahr ist – Wenn einer alleine träumt, dann ist das nur ein Traum.

Wenn aber viele gemeinsam träumen und an der Verwirklichung des Traumes auch echt arbeiten, dann ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit, auch einer neuen besseren Wirklichkeit unserer Kirche. Das ist das was Gott will.
Amen

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