Wort zum Sonntag, 19.05. 2019 „ADAM, wo bist du?“

„Acht, neun, zehn – ich komme!“ Und schon geht die Suche los – durch den Garten laufen, hinter die Büsche schauen, hinterm Schuppen, vor dem Haus… Unser 2-jähriger Theo spielt auch gerne verstecken. Genießt das Gefühl, nicht gesehen zu werden, wenn er hinter einem schmalen Baum steht. Und taucht am Ende wie ein kleiner Sieger unentdeckt aus seinem Versteck wieder auf. Ein kindlicher Spaß – sich verstecken. Scheinbar unsichtbar sein. Nicht gefunden werden.
Kindlicher Spaß? Ja, wirklich! Aber auch für große Christen?
„Adam, wo bist Du?“ – Das war das erste Versteckspiel, die erste Frage Gottes an den Menschen. Natürlich hätte das auch „Eva“ heißen können, oder auch der Name von Ihnen, oder von mir.
Greta (Thunberg), hat er auch gerufen – ein zunächst unscheinbares Kind – und sie hat ihn gehört, ist auf die Straße gegangen für die Erhaltung der Erde. Tausende Schüler auf der ganzen Welt, sind ihr gefolgt – ok, in Verl nicht. Sie haben eine neue Bewegung, eine neue Diskussion angestoßen und werden Erfolg haben.
Martin (Luther King) hat er auch gerufen, auch er hat seine Stimme gehört und die Veränderungen schafften Menschenwürde, sind bis heute spürbar und unumkehrbar.
Nelson (Mandela) hat er gerufen, und er hat geantwortet, landete zig Jahre im Gefängnis und hat dann Südafrika neu aufgestellt und Menschen wieder Wert und Würde gegeben.
Karolin, Teresa oder Antonia (keine Ahnung, wie die hießen) hat er gerufen und sie stellten sich vor die katholischen Kirchen – in Verl nicht, um für ihren Anspruch auf Mitwirkung und Gleichberechtigung zu demonstrieren – und sie werden nicht aufhören und am Ende gewinnen.
Weltweit hören Menschen ihren Namen, Kinder, Erwachsene und Alte, und stehen auf. Sie demonstrieren für das Leben, gegen Rassismus, für eine sauberere Welt, gegen Unterdrückung, für sauberes Wasser gegen Ausbeutung, für Schulen, gegen Tierquälerei, für den Frieden und gegen den Terror.
„Adam – Eva, wo bist Du?“ Wo verstecken sich die Menschen – wo ist das Gebet in den Gotteshäusern für die zu hunderten explodierten Christen in Sri Lanka, die in Sekunden zu Märtyrern wurden? Niemand geht auf die Straße.
Im Nahen Osten droht eine Katastrophe, weil hirnkranke Politiker Macht und Hass demonstrieren – wir schauen nur zu!
Wo sind die Menschen, die demonstrieren für Hunderte abgesoffener Flüchtlinge im Mittelmeer, die keiner retten darf oder will?
Wo sind die Verantwortlichen, mit dem Geld unserer reichen Kirchen, wenn im Jemen und vielen anderen Plätzen der Erde, Kinder elendig verhungern oder verseuchtes Wasser trinken müssen. Glaubt wirklich jemand, dass unser Gott sich mehr über renovierte Kirchen und neue Glocken freut?
„Adam – Eva, wo bist Du?“ Greta, Martin, Nelson, Karolin, Teresa oder Antonia und tausende mehr, haben einzeln, haben klein angefangen und einen weiteren Grundstein gelegt für eine bessere Welt, eine Welt, wie unser Gott sie plante, als er das Paradies schuf. Dieses Paradies kann Wirklichkeit werden, wenn wir – Sie auch – unsere Ohren öffnen und endlich hören. Wir Christen rufen gerne, wenn es schwierig wird oder brennt „Gott, wo bist Du?“ Und er antwortet: „Mein Kind, Ich bin bei Dir, Ich bin in Dir!“ Gehört? – darum sind das Leid und Elend in der Welt nicht mehr eine Suche nach Gott – sondern ein Rufen nach uns – auch in Verl! Wir müssen endlich die Ohren auf machen!  – ER ruft wieder Deinen und meinen Namen – länger verstecken, das geht nicht!
Ihnen ein gutes Gehör und einen schönen Sonntag. Ihr Arthur Springfeld (Diakon)

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