Wort zum Sonntag 26.11.2017 – „Überall Flüchtlinge!“

Haben Sie auch das Gefühl, die Hälfte der in Verl lebenden Menschen sind Flüchtlinge? Oder vielleicht noch mehr? Komisch – fiel mir grad so ein – eigentlich wollte ich nämlich schon über Advent schreiben, da überall schon die Dekoration steht.
Advent – die Zeit, in der wir uns eigentlich auf die Geburt Christi vorbereiten, jedes Jahr wieder neu. Wie war das denn damals? Maria und Josef wollte auch keiner haben, bis sich endlich ein Herbergsvater ihrer Not erbarmte. Gut so – es ist zwar nur ein Stall den sie zum Schlafen bekommen, aber besser als nichts. Ok, schön ist es da auch nicht, aber das weiß man von einem Stall.
Jesus war gerade geboren, da war die Familie auch schon auf der Flucht vor Herodes, denn der wollte das Kind töten. Heute würde man sie politische Flüchtlinge nennen. Hätte Jesus das nicht überlebt, wären wir Menschen ganz schön arm dran.
Aber – die ganze neue Weihnachtsbeleuchtung in Verl wäre dann aber auch überflüssig. Sürenheide könnte eine knappe Million für die Kirchenrenovierung sparen. Von dem vielen Geld für eingesparte Weihnachtsgeschenke, die oft keiner wirklich braucht, ganz zu schweigen.
Was könnte man mit all dem Geld Gutes tun!? Ich denke an Sozialwohnungen, an bessere Kinder- und Seniorenbetreuung, an hungernde Rohingyas, an die sterbenden Kinder in Somalia u.v.m.
Flüchtlinge gab es immer und wird es immer geben. Es war ein langer gefährlicher Weg für unsere heilige Familie damals, aber auch für die Menschen in Verl, die vor vielen Jahren aus Schlesien, Pommern und Ostpreußen, oft ohne alles zurück nach Deutschland und Verl flüchteten.
Da sind auch noch die vielen „Russlanddeutschen“ deren Vorfahren teils zwangsweise bis nach Sibirien ausgesiedelt wurden. Viele konnten in die alte Heimat zurückkommen und das ist gut so. Alle haben unser Land mit aufgebaut und leben gerne mit uns.

In der Sürenheide haben wir auch gerade einen großen Zustrom an Flüchtlingen – Kirchenflüchtlinge aus Nachbargemeinden, und wir nehmen sie gerne auf. Sie kommen auf der Suche nach dem Hirten für ihre Seele, der sie anspricht und sich sorgt.

Manche flüchten auch einfach aus unserer Glaubensgemeinschaft. Man sieht sie selten oder gar nicht mehr. Unsere Jugendlichen und größeren Kinder. Gestern noch da – heute schon weg. Sie finden keine Heimat bei uns! Sie verstehen unsere Sprache nicht, unseren traurigen Blick, die barocke Kleidung im Gottesdienst und sie lieben andere Musik.
Viele von ihnen leben die Botschaft Jesu Christi trotzdem. Sie helfen den Klassenkameraden, den Kindern und Jugendlichen in der Gemeinde, engagieren sich für Gottes Schöpfung, für weltweite Hilfsprojekte, bringen Einsatz für Behinderte und Alte. Sie leben die Frohe Botschaft. Gott wird stolz auf sie sein, aber wir vermissen sie sehr.

Und es fehlen noch mehr Menschen in Verl. Auch Wirtschaftsflüchtlinge – vor über 100 Jahren unter Lebensgefahr nach Amerika geschippert. Hier in Deutschland wären sie mit all ihren Kindern verhungert. Auch jüdische Familien fehlen, die vor über 70 Jahren flüchteten und woanders eine sichere Heimat gefunden haben.
Ach ja, nur etwa 2% der Verler Bewohner sind aktuelle Flüchtlinge. Sie sind zu uns gekommen, weil die Heimat explodierte oder die Zukunft einfach nur stockdunkel ist.

Bald ist Advent. Bald wird Jesus Christus geboren. Dieser Flüchtling will auch noch nach Verl! Werden wir ihn überhaupt erkennen unter all den Flüchtlingen? Er könnte auch eine dunkle Hautfarbe haben, oder auch eine Sprache sprechen, die wir nicht verstehen. Und er wird bei uns auch zu Fuß unterwegs sein. Wir könnten ihn finden. Besser, wir machen uns gemeinsam auf die Suche. Seine Frohe Botschaft könnte unser Navi sein.
Ihnen eine gesegnete Zeit. Ihr Arthur Springfeld (Diakon)


 

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