Predigt Beerdigung H. Sch. 8.1.15

Predigt Beerdigung H. Sch. 8.1.15

 

Wenn wir das menschliche Leben betrachten, dann ist es geprägt von Bewegung.
Beweglichkeit ist von Anfang des Lebens an gefragt. Um in Bewegung zu sein, braucht es Wege, die begehbar sind. Wege haben einen Anfang und ein Ziel, sie führen in eine bestimmte Richtung. Sie sind gerade oder bestehen aus vielen Windungen, so dass das Ziel nicht sichtbar ist.
Orientierung und Richtung sind wichtig. Weggabelungen fordern zur Entscheidung heraus. Um die Orientierung nicht zu verlieren, bedarf es oft einiger Hilfsmittel:
Wegweiser, Landkarten, Kompass …
Unterwegssein, dass bedeutet auch Gefahr. Es gibt Umwege, die einen an den Rand der Erschöpfung bringen. Wenn man sich auf Irrwegen befindet, kann das Angstgefühle auslösen.
Für die Menschen zwar der Weg schon immer Sinnbild für das Leben, für den Weg zu Gott.
Der Mensch ist ständig auf der Suche nach dem richtigen Weg, getrieben von der Sehnsucht nach Liebe, Glück …
Auf seinem Lebensweg ist der Mensch zunächst einsam. Jeder muss einen eigenen Weg gehen und eigene Erfahrungen machen. Und dennoch braucht der Mensch Weggefährten, die ihn ein Stück des Weges begleiten.
Heinz hat diesen Weg nun am Gipfel – der ewigen Raststätte bei Gott – erreicht.
Von hier aus kann er nun seinen Lebensweg überschauen. Wie mag dieser Weg wohl ausgesehen haben?
Sieht er gerade Wege, die leicht zu gehen waren, oder lagen auch holprige, steinige Wege auf einem Lebensabschnitt?
Musste er Steigungen hinter sich bringen oder Wege, die in eine Sackgasse führten?
Musste er Umwege gehen oder einen neuen Weg suchen, um ans Ziel zu gelangen?

 

H. Sch., geboren in Varensell, groß geworden in Verler Landen und die letzten –zig Jahre in der Pausheide gewohnt ist ähnlich viele Kurven gegangen, wie die meisten von uns. Als Kind schon den Vater verloren, ebenso in jungen Jahren seinen Bruder und seine Schwester.

Die längsten und vielleicht kurvenreichsten Wege ist Heinz aber nicht gegangen, sondern mit einem LKW gefahren. Solange er gesundheitlich fit war, verdiente er mit seinen Touren durch ganz Europa das nötige Geld um seine Familie mit seinen Töchtern zu ernähren.

Viele andere musste er auch noch ernähren, nämlich über 50 Jahre lang, hunderte von Tauben, die – sag ich mal so – gleich nach seiner Familie, seine große Liebe bekamen, was sich in einer Vielzahl von Preisen und Urkunden niederschlug.

Wer Heinz kannte, so wie wir in der Pausheide, hatte das Gefühl, dass er – am Ende trotz aller Einschränkungen – immer gut drauf war.

Er zog für sich immer den Vergleich mit der deutschen Eiche, steht wie ein Baum und fällt nicht so leicht um. Das hat er im Leben auch bewiesen. Vor dreißig Jahren schon den ersten Herzinfarkt, gepiesakt durch eine unangenehme Hautkrankheit, weitere Krankheiten kamen dazu und die Beine konnten ihn in den letzten Jahren nur noch wenige Hundert Meter tragen, dann sah man ihn auf der Bank in der Pausheide oder auf seinem Rollator sitzen, der ihm Halt und Sicherheit gab.

Heinz gehörte eher zu den ruhigen Menschen, vielleicht bleibt einem bei 3 Frauen im Haus auch nicht anderes über – dafür konnte er stundenlang mit seinen geliebten Tauben reden.

Heinz hat seine Vaterrolle immer ernst genommen und liebevoll gelebt. Keine Party war zu weit, keine Zeit zu spät, wo er nicht seine Mädchen abholte.

Solange es ging und das Geld reichte hat er wenigstens Kurzurlaube mit Dir Ida gemacht.

Eine weitere Krönung seines Lebens war Till, kann ich schon verstehen – Till, auch wenn Du es noch nicht verstehst, der Opa wird immer auf Dich aufpassen.

Wenn wir auch zu recht traurig sind über den Tod von Heinz, so dürfen wir wie er selbst glauben, dass sein begrenztes Leben verwandelt ist in ein Leben ohne Grenzen und Leid. Er hat einen Platz bei Gott.

Denn er ist es, der alles Bruchstückhafte im Leben von Heinz verwandelt, heilt und wieder ganz macht.

Es hat Dinge und Beziehungen in seinem Leben gegeben, die ihm gut, manche aber auch nicht so gut gelungen sind.

Jetzt kann mit Gottes Hilfe alles zum Segen für ihn und für uns verwandelt werden.

Sein Leben ist jetzt nicht wirklich weniger geworden, es ist aus unserem begrenzten Denken verschwunden und hineingegangen in einen für uns jetzt nicht fassbaren Zustand, den wir Ewigkeit nennen.

In einen Zustand wo ich sicher bin, dass der Mensch in seiner ganzen Größe, mit allen seinen Talenten und Stärken angenommen wird und zur Entfaltung kommt.

Wir können Heinz jetzt direkt nichts mehr sagen, kein liebevolles, kein dankendes, aber auch kein versöhnendes Wort, in Wirklichkeit begreifen wir alles nicht. Aber unsere Verbindung kann lebendig bleiben aus dem Glauben an die Auferstehung heraus. Diesen Glauben hat Heinz gelebt, dieser Glaube hat ihn durch sein Leben und Sterben begleitet.

Amen

 

 

 

 

 

 

Ich träumte eines Nachts, ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Und es entstand vor meinen Augen, Streiflichtern gleich, mein Leben.
Nachdem des letztes Bild an mir vorbei geglitten war, sah ich zurück und stellte fest, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur zu sehen war. Das verwirrte mich sehr, und ich wandte mich an den Herrn:
„Als ich dir damals alles, was ich hatte, übergab, um dir zu folgen, da sagtest du mir, du würdest immer bei mir sein. Warum hast du mich verlassen, als ich dich so verzweifelt brauchte?“
Der Herr nahm meine Hand: „Geliebtes Kind, nie ließ ich dich allein, schon gar nicht in Zeiten der Angst und Not. Wo du nur ein Paar Spuren in dem Sand erkennst, sei ganz gewiss, da habe ich dich getragen!“

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