7. Sonntag C, Lukas 6, 27-38 – Karnevalswoche

PREDIGT 7. Sonntag C, Lukas 6, 27-38 – Karnevalswoche

Ihr lieben Verler Gotteskinder,
ihr Frommen, Lauen, –  manche Sünder,
da sitzt ihr nun ein wenig kühl
in unserm Gotteshausgestühl
und fragt euch wieder mal im Stillen,
ob ich wohl geb den besten Willen
und kann es endlich auch mal schaffen,
dass ihr hier fangt mal an zu lachen.
Ich will es einfach jetzt mal wagen,
doch hinterher soll keiner klagen,
dass er nichts mit nach Haus genommen,
dann – wär er ja umsonst gekommen.

Drum werd ich tun jetzt meine Pflicht
und predige –  fromm – im Gedicht,
sonst pfeift ihr mich vielleicht doch aus
und geht heut früher raus – nach Haus –
oder – was noch mehr mich schreckte –
ihr tut nichts rein in die Kollekte!

So seid gegrüßt hier, Mann und Frau:
„Grüß Gott“ sag ich, und auch „Helau“.
Ich grüße die Gemeindeglieder,
und auch die andern, die schon wieder
in unsere Kirche sind gekommen,
aus Verl und Friedrichsdorf die Frommen,
doch auch die andern die geflohen,
weil Priester von der Kanzel drohen,
und niemand sich zu lächeln traut.
Bleibt hier – die Zeit sei nicht geklaut,
hier dürft ihr lachen, gern auch laut,
denn hier wird fest auf Gott gebaut.

Narren dürfen, – das ist klar,
die Wahrheit sagen – wunderbar!
Narren sollen sich auch trauen
mal öfter auf den Putz zu hauen
in unserer verrückten Welt.
Vielleicht – ist mancher Narr ein Held,
wenn er sich äußert ohne Geld,
wann er nicht mit der Masse schwimmt,
vielmehr sich frech die Freiheit nimmt,
nach seinem Gewissen zu entscheiden
als Christ – inmitten vieler Heiden.

Hört! – solche Narrheit schnell sich findet,
in dem, was Jesus uns verkündet
und was man uns – gut kalkuliert –
als Frohe Botschaft präsentiert:
Da soll dem Mann, der mich geschlagen,
ich nicht einmal die Meinung sagen,
stattdessen still mit frommem Sinn,
die andere Wange halten hin?

Soll den nicht packen, der gesonnen,
an meine Habe ranzukommen?
Der meinen Mantel kriegt zu fassen,
soll ich das Hemd noch überlassen?
Und jedem, der bei mir will borgen,
soll ich mit Geld noch reich versorgen,
ganz gleich ob dieser gute Mann
das Ganze auch zurückzahlen kann?

Wenn das nicht eines Narren Sicht,
dann frag ich euch, was närrisch ist!!
Denn wer sich stellt auf diese Seite,
wird ausgenutzt und ist bald pleite.-
So denken doch normale Menschen,
bei aller Lieb‘ – es gibt auch Grenzen!
Wer hat, dem wird noch mehr gegeben!
So ist’s im ganzen Leben – eben!
Und jeder Kluge rechnet aus,
ob auch genug springt für ihn raus.

Doch, um was Neues zu erreichen
braucht es natürlich solche Zeichen,
die Jesus selbst hat praktiziert
und wie ein Narr, ganz ungeniert,
uns, seinen Kindern, will empfehlen,
um Gottes Reich nicht zu verfehlen.

Damit ihr merkt, wie’s anders geht,
nenn ich ein Beispiel, ganz konkret:
Wozu braucht ihr so viele Kleider
von Kleinemaas und auch vom Schneider,
verschenk ein paar an arme Leut,
dann könnt ihr atmen ganz befreit.
Und wozu braucht ihr acht paar Schuh?
Gebt sechse ab, dann habt ihr Ruh
und habt dabei auch noch den Nutzen,
ihr braucht nur noch zwei Paar zu putzen.

Ihr sollt auch ehrlich überlegen
wem ihr könnt eure Kleidung geben,
die alte, ist doch viel zu enge,
und viel verstaubt vom Rumgehänge,
weil ihr noch meint, durch frommes fasten,
im nächste Frühjahr wird sie passen.
Das schafft ihr nie, drum lasst es sein,
holt aus dem Schrank sie, pack sie ein.
und bring den Sack zur Caritas,
dann habt ihr Platz, und andere Spaß.

Ich geb’s ja zu, ihr lieben Leut,
die Beispiele warn nicht ganz gescheit.
Der Herr möcht eigentlich uns auch sagen,
fangt endlich an, euch zu vertragen.
Welches Vorbild sollen unsere Kinder nehmen,
wenn streitende Menschen sich nicht schämen?
Und Jesus warnt uns vor dem richten
und anderen was an zu dichten.

Drum zeigt ein großes, weites Herz
für euren Nächsten, ohne Scherz
und helft einander in der Not!
Was nehmt ihr mit bei euerm Tod?
Nur das, was ihr habt hier verschenkt
an Lieb‘ und Güte – und bedenkt:
Wenn Christus steht an deiner Tür,
gilt nicht der Satz: „Wie du mir, so ich dir“.
Der Spruch ist alt und längst von gestern,
das müsst ihr wissen, Brüder, Schwestern.
Fangt endlich an, heut und schon hier:
„Wie Gott zu mir, so ich zu dir.“

„Ihr sollt auch eure Feinde lieben
und euch nicht überall bekriegen“,
das sagt der Herr und der hat Recht!
Schau in die Zeitung, wird dir schlecht
vor lauter Terror und Gewalt,
in diesem Kreislauf gibt’s kein Halt.-
Wenn jeder übt Verzicht auf Rache,
dann hätten wir alle mehr zu lachen,
das ganze Jahr, das ganze Leben. –
sagt:  Könnt‘s noch was Schönres geben?

Wenn Nachbarn sich wieder die Hände reichen,
ehemalige Freunde in den sauren Apfel beißen
und die Schuld des anderen in die Tonne treten
und beginnen auch für den Nächsten zu beten,
dann jubeln die Engel, die Erde kann lachen,
nicht lange überlegen – einfach nur machen!

So würde unsre alte Welt
mal wirklich auf den Kopf gestellt,
wenn endlich alle Nationen
begreifen würden die Visionen
von Jesus im Neuem Testament,
– wär Gottes Reich schon jetzt präsent!

Ok, es müssten ohne Hetze,
auch Große achten die Gesetze
dann fänd der Wilde aus den Staaten,
auch einen Platz in Gottes Garten,
oder der Mensch aus der Türkei,
es gibt viel mehr – das sind nur zwei.

Jeder soll bei sich probieren
zu verändern die Manieren.
Stoppt auch, sich wegen nen Pups zu streiten,
auch nicht den Nächsten zu beneiden;
ja manchmal auch das Kunststück wagen,
nicht immer gleich zurückzuschlagen.
Wenn du zuerst machst solchen Schritt,
ziehst du vielleicht auch Andere mit.

Für den, der glaubt, dass Gott ihn liebt,
es eigentlich keine Grenzen gibt.
Wer Liebe hat, kriegt auch die Gnad
von unserm Herrgott in der Tat,
um selbst den Feind als Mensch zu schätzen
und keinen Gegner zu verletzen. –

Drum können wir – und Protestanten,
aus Verl, manch Beter, auch mit Kanten
und auch Muslime aus Irak
mit uns hier beten, und wer mag,
schaut selbst aus Afrika hier rein.
Auch Polen kommen, das ist fein.
So ist Thaddäus – so geht glauben,
wir machen weiter mit offenen Augen,
und packen die schwierige Zukunft an,
wir brauchen da jeden – Frau und Mann.

Drum freun wir uns gleich, wenn die Kinder kommen,
sie lachen so ehrlich, nicht wie wir Frommen,
unsere Zukunft gehört ihnen, und sie werden es schaffen,
mit Gott an der Hand, die Welt schöner zu machen.

Natürlich weiß ich, auch ein Christ
ist nicht vollkommen und macht Mist.
Die Kirche schlägt sich trotzdem wacker:
Sie ist nun mal ein Bioacker,
und der braucht, dass er fruchtbar ist,
von dir und mir – von uns: den Mist.

Im Klartext: Hört es: Groß und Klein:
Du Christ musst nicht vollkommen sein,
Gott wird beim Anblick deiner Schwächen
über dich den Stab nicht brechen.
Schließlich hat er dich gemacht,
so wie du bist, er hat gelacht,
weil du ihm selbst, mit all dem Mist
gefällst, so, wie du einfach bist.

Ich komme nun – weil ich wohl muss,
so langsam zu der Predigt Schluss.
Ich Narr glaub fest, dass weit auf Erden
es könnte noch deutlich besser werden.
Nicht närrisch ist es heut gewesen,
was wir von Jesus konnten lesen.

Ihr Leut, habt doch ein bisschen Mut,
Mut – der einfach nur mehr Gutes tut.
Und glaubt, dass wir gemeinsam es schaffen,
heller und lieber, seine Welt zu machen.

Ganz närrisch möcht‘ zum Schluss ich’s wagen
meinen liebsten Wunsch hier laut zu sagen:
Bleibt Narren – treu – in Gottes Namen,
dann ist es gut und ich sag:
Amen.

 

2 comments on “7. Sonntag C, Lukas 6, 27-38 – Karnevalswoche

  1. Hermann Wilmshöfer sagt:

    Sehr geehrter Herr Springfeld!

    Mein Name ist Hermann Wilmshöfer, u.a. Mitglied im Vorstand der Kolpingsfamilie Gelsenkirchen-Zentral, ehrenamtlicher Küster an der Propsteikirche St. Augustinus in Gelsenkirchen und sehr besorgt über den seelsorglichen Zustand unserer katholischen Kirche. ( Aber das ist heute hier kein Thema!)

    Ich schreibe Ihnen, weil ich bei Kolping und auch in der Kirchengemeinde, in der Vorbereitung für Wortgottesdienste und Messfeiern aktiv bin.
    In diesem Zusammenhang bin ich irgendwann auf Ihre Website gestoßen und freue mich immer, wenn ich wieder mal einen Text, eine Auslegung finde, die ich gut verwenden kann, oder die mich auf eine richtige gedankliche „Fährte“ führt.
    So auch heute.
    In unserer Kirche, die übrigens noch für Gottesdienste geöffnet ist (Dank vieler Ehrenamtlicher, die den Ordnerdienst übernehmen)finden in regelmäßigen Abständen,
    samstags um 12.00 Uhr, Orgelkonzerte ORGEL.12 statt.
    Das nächste am Karnevalssamstag, 13.Februar.
    Herzliche Einladung!
    Zu jedem Konzert gehört ein geistlicher Impuls.
    Unser Pastor Mirco Quint (er geht leider Mitte des Jahres als Seelsorger nach Japan)hat mich gebeten, diesen Impuls zu gestalten.
    Das möchte ich, mit kleinen Änderungen, mit dieser Karnevalspredigt tun!

    Danke für Ihre Schaffenskraft! Bleiben Sie gesund!

    Es grüßt aus Gelsenkirchen
    Hermann Wilmshöfer

    Wir können auch gerne telefonieren: 015771043869

    • aspringfeld sagt:

      Moin,
      Danke für Ihren Kommentar. Freue mich, wenn Ihnen manche Texte gefallen. Sie können übernehmen was sie wollen. Bleiben Sie gesund und „Treu Kolping“
      Arthur Springfeld

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