7. So. Jks A – 23. 02.20 – Seine Liebe leben – Mt 5,38-48

7. So im Jahreskreis – 23. Februar 2020 – Seine Liebe leben – Mt 5,38-48
Lasst uns doch mal einen Moment darüber nachdenken: Habe ich selbst eigentlich Feinde?
Ein Moment der Stille

Wirkliche ‚Feinde‘ habe ich nicht und Sie sicher auch nicht.
Aber eins stimmt sicher:
Wir kommen nicht mit allen Menschen gut aus und wir finden bestimmt nicht alle, nett und sympathisch, die uns täglich im Alltag begegnen.

Und das müssen wir auch gar nicht!

Aber, was will Jesus wirklich mit seinen Worten bei uns erreichen? Was ist seine Idee? Was ist sein Plan?

Die Antwort ist eigentlich schnell klar. Jesus will unser Herz erreichen:
Dass wir Menschen – trotz allem – zueinander gut sind, liebevoll, einander helfen.
Dass wir einander annehmen, achten und respektieren.
Dass wir Verzeihung schenken, dem Andern wertschätzend und wohlwollend begegnen.
Dass wir immer mehr das Verbindende suchen, und nicht das, was uns vom anderen Menschen trennt.
Dass wir Menschen einander zutrauen, dass auch in dem Andern ein guter Kern zu finden ist.
Dass wir untereinander immer wieder einen neuen Anfang ermöglichen.

Jesu Worte und seine Ziele – wie wir sie eben gehört haben – sind aber auch so radikal, so grundlegend, dass es einem fast den Atem nehmen kann.

Und darum sagen auch viele Menschen schon im Voraus: „So etwas könnte ich nie schaffen!“
Auch unsere Kirche tut sich oft mit der Verwirklichung dieser geforderten Liebe schwer und scheitert bis heute an ihr immer wieder.

Für die Vergangenheit fällt einem da schnell ein:
Wie unchristlich haben sich Christen verhalten in der Verfolgung von Juden, Hexen oder Ketzern, wie in Kreuzzügen und Glaubenskriegen?
Wie brutal ist unsere Kirche im Mittelalter mit der Missionierung vorgegangen?
Wie geht unsere Kirche um, auch mit Menschen in ihren eigenen Reihen – denken Sie an Drewermann oder Küng?
Denken sie an die vielen hochmotivierten Frauen, die wir so gut gebrauchen könnten.

Jesu Wunsch und unsere Wirklichkeit liegen auch bei uns in Verl, auch hier in der Kirche, oft sehr weit auseinander.
Denken Sie an ihren unfreundlichen Nachbarn.
Denken sie an den Hickhack zwischen den Parteien selbst hier in Verl.
Denken Sie an Ihre Meinung über die vielen Flüchtlinge.

Denken sie an manche kaputt gegangene Freundschaft, manchmal wegen Peanuts.
Denken sie nur an den einen oder anderen Christen hier in der Kirche, ein paar Reihen vor oder hinter ihnen – oder in der gleichen Reihe, sind Ihre Gedanken da immer liebevoll und christlich?

Natürlich frage ich mich auch immer wieder, ob Jesu Botschaft, ob sein Liebesplan für die Menschen, wirklich umsetzbar ist.
Sind seine Forderungen heute nicht absolut weltfremd und überholt?
Warum sollen wir so blöd sein und von unserem Geld was für die verhungernden Kinder im Jemen geben?
Warum sollen wir die Freiheit suchenden Menschen aus dem Mittelmeer retten?
Warum sollen wir die gute Idee der anderen Partei loben, wenn wir selbst nicht drauf gekommen sind.
In vielen Situationen versage ich auch – aber ich bin so dankbar für die Regeln, die Jesus uns für ein gelingendes Leben gegeben hat.

Wohin kämen wir, wenn wir dem Bösen keinen Widerstand entgegensetzten, wenn wir alles tolerieren, nur um Streit zu vermeiden, oder wenn wir nur verzeihen, statt Gerechtigkeit einzufordern?
Würde dadurch nicht derjenige, der Unrecht getan hat auch noch belohnt?

Leute – es ist gut, dass es Jesu Botschaft an uns gibt! Gott sei Dank!
Denn, wohin kämen wir, wenn jeder nur an sich selbst denkt und die Augen verschließt, vor der Not, dem Elend und den Katastrophen auf dieser Erde?
Wohin würden wir und mit uns die Welt abstürzen, wenn es kein Verzeihen und keine Vergebung gäbe und wenn wir Unrecht durch neues Unrecht vergelten würden?
Möchten Sie in so einer Welt leben?

Jesu Barmherzigkeit und seine Liebe, seine Vergebung und sein Verzeihen grenzen manchmal schon an übermenschliches Tun, – ist es manchmal vielleicht für uns auch.
Es ist oft aber für uns die einzige Möglichkeit und darum unbedingt erforderlich, um einem neuen Anfang, und einer liebenswürdigen Erde überhaupt eine Chance zu geben.

Nur wenn wir Menschen uns über alte, oft tiefe Gräben hinweg, neu die Hände reichen, um Vergebung bitten und vor allem Vergebung gewähren, können böse und verletzende Streitereien beendet werden.
Nur wenn Gottes Liebe durch uns in das Miteinander gebracht werden, können Heilungsprozesse geschehen und die Spirale von Gewalt und Gegengewalt, aber auch der Teufelskreis von Schuld und Rache durchbrochen und beendet werden.

Nur wenn wir die Not der anderen im Blick und im Herzen haben, können wir die not-wendigen Schritte unternehmen, damit Gottes Liebe bei allen Menschen ankommt.

Ein Beispiel möchte ich Ihnen zumuten: Sie kennen das Stalag 326 in Stukenbrock – zigtausend Kriegsgefangene aus Russland, elendig gestorben, sind dort beerdigt.

Der deutsche Schriftsteller Werner Bergengruen erzählte Folgendes: Auf meiner Flucht aus Russland kam ich zu Ostern 1919 – hungrig und ausgemergelt – in ein russisches Dorf bei Minsk.
Eine alte Bäuerin sagte zu mir: „Ich habe einen Sohn in deutscher Gefangenschaft, von dem ich nichts höre.
Ich werde jetzt denken, du bist dieser Sohn.“
 
Sie umarmte mich, gab mir ein Bett und beschenkte mich reichlich.

26. 01. 2020 – 3. So. Jks – A – Folgt mir nach!

26. 01. 2020 – 3. So. Jks – A – Folgt mir nach!

Sind Sie in Ihrem Leben schon mal mit dem Auto in einer Sackgasse gelandet?       Und?
Haben Sie dann gewartet, bis sich irgendwas ändert – oder sind sie richtigerweise umgedreht?

Man könnte natürlich auch sagen: „So ein Mist. Was soll der Blödsinn? Hier bin ich doch immer durchgefahren. Mein ganzes Leben schon“. Und dann kommen ihre Beifahrer, Ehefrau und Kinder und machen auch noch schlaue Vorschläge.
Und sie sagen dann: Das lass ich mir nicht gefallen! Hier bleibe ich jetzt stehen, bis dieses Hindernis da weg ist.
Und ihre Mitfahrer – haben die Schnauze voll, steigen aus und gehen ihre eigenen Wege.
Finden sie das jetzt bescheuert, dieses Beispiel?

Dieses Bild lässt sich ohne große Mühe auch auf unsere Kirche und viele pastorale Räume übertragen. Sie sind in eine Sackgasse geraten, aus der sie nicht rauskommen.
Hier ist jetzt nicht klagen, sondern Umkehr angesagt und das ziemlich bald – sonst sind alle weg.

An entscheidender Stelle im Matthäusevangelium heißt es: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe!“ Etwas weiter sagt Jesus: „Folgt mir nach!“

Und bei diesen Worten „Umkehr“ und „Folgt mir!“  – Ja, Leute, damit meint Jesus uns – hier und heute, auch in Verl.

Wir, – wir Christen brauchen:
– eine egoismuslose Umkehr in unserm Denken
– eine Umkehr zu mehr Familie in unserm Miteinander
– eine gemeinschaftliche Umkehr beim Tun
– eine Umkehr in den Zielsetzungen unserer Pfarrgemeinden
– eine Umkehr in unseren Diözesen in ihren Strukturen und Gesetzen
– ja, wir brauchen eine Umkehr in unserer ganzen christlichen Kirche.

Viele Christen, auch Priester und Bischöfe merken den falschen Weg erst, wenn sie am Ende der Sackgasse angelangt sind.
Die Not – wendige Umkehr erfordert von uns eine neue Sicht, eine neue Offenheit auf das, was Gott von uns will.
Und das ist schwierig für Traditionalisten und Konservative, denn solche Umkehr fordert Mut.
Mut – Neues zu denken und zu Tun.
Mut die Sackgasse zu verlassen und einen neuen Weg zu fahren, um das richtige Ziel zu erreichen.

Und warum sollen wir das tun?
Papst Franziskus sagt uns: „Ich bitte euch, nicht in der Erlahmung zu verfallen und immer wieder alte Antworten auf neue Fragen zu geben.“
Das ist genau unser Problem.
Daran sterben wir – wir Kirche – im Moment und zwar ganz schnell.
Es ist schon fast eine Form des Unglaubens, wenn wir sagen: „War doch schon immer so!“ Aber – viele spüren das sicher auch – das steckt tief in unseren Knochen, auch bei manchen Priestern und Bischöfen, bis nach Rom.

Also – Sackgasse! Umdrehen ist angesagt!
Aber ganz schön eng diese Straße, da kann es ganz schön klemmen. Da gibt es vielleicht auch Beulen. Aber da müssen wir durch – es geht auf dem alten Weg nicht weiter!

Umdrehen – und wir Christen können das – weil das, wie Jesus sagt, Rezept so einfach ist!
Er gibt uns vor:
Leben – was wir glauben!
Leben – was wir beten!
Leben – was wir hier feiern!
Leben – was wir von Jesus hören!

Bei der nötigen Umkehr, bei der „Nachfolge“, die Jesus meint, geht es vor allem um einen neuen Umgang mit den Menschen.
Umkehr, das ist wirklich glauben an die Worte Jesu.
Das bedeutet: glauben, nicht nur mit frommen Worten und frommen Gesicht, sondern es geht um den ganzen Menschen.
Wir sollen glauben mit unserm Körper, mit unserm Geist, mit unseren Worten und vor allem durch unser Tun.

Was meinen Sie?
Leben wir hier in St. Judas Thaddäus, hier in Verl, so wie Jesus es gewünscht und uns vorgelebt hat – als er sagte „Folgt mir nach!“

Nehmen die vielen Kinder, Jugendlichen und jungen Familien, die nicht, oder nicht mehr zu uns kommen, nehmen die uns so wahr, sehen die uns das an, spüren die Gottes Liebe – durch unser Tun?

Unsere Aufgabe als Kirche, als Getaufte, als Christen, als Berufene, und das ist jeder von uns hier, unsere Aufgabe ist es Not-leidende, Geflüchtete, Kranke, Hilf – lose, Arme, Traurige, Einsame zu suchen, auf sie zuzugehen und ihnen zuzuhören, nicht nur mit Ohren, sondern auch mit dem Herzen.
Ja – Hören, Zuhören, ist ein Werk der Barmherzigkeit – und danach kommt das Tun in unserm Leben – als Konsequenz.

Unsere not-wendige Umkehr hat mit unserer Neubesinnung auf Jesus Christus zu tun.
Umkehr hat mit Liebe und Hilfsbereitschaft zu tun.
Umkehr hat mit Glaub-würdigkeit und Ehrlichkeit des gelebten Glaubens zu tun.

 „Folgt mir nach!“ haben wir heute von Jesus im Evangelium gehört – und damit meint er „Kehrt um!“

Wir, auch hier in der Sürenheide müssen endlich zeigen und leben, zu welcher Liebe und Hoffnung und Tun wir durch unsern Gott berufen sind.

Es geht langsam, nein es geht schnell – um alles – oder nichts!

Aber Aufgeben in der Sackgasse –
das ist genau das Gegenteil der Frohen Botschaft Jesu Christi!

GAUDETE 3. ADVENT – The big Jesusdeal -15. 12. 2019 –

GAUDETE 3. ADVENT – The big Jesusdeal -15. 12. 2019 –  

Natürlich weiß ich auch nicht wie Jesus ausgesehen hat. So auf Bildern – von Menschen, die ihn nie gesehen haben – hat er meistens dunkle Haare und einen dunklen Bart.
Dennoch glaube ich fast, dass dieser  rotblond Verrückte aus Amerika – mit ihm verwandt ist.
Jeden Tag fast, hört man doch von ihm: „I did a big deal!“ „Wieder ein großer Deal für Amerika. Amerika first!“

Das meine ich mit verwandt.
Jesus hat mit uns auch einen Deal gemacht. Einen bessern als Trump.
Kennt ihr den Jesusdeal überhaupt?
„All eure Schuld, all eure Fehler, all den von euch gemachten Mist, kann ich tragen, nehme ich auf meine Schultern.
Und wenn ich am Kreuz sterbe, ist alles bereinigt, alles wieder gut.
Für die Menschen von früher und für die Menschen in alle Zukunft.
Und wenn ich dann beim Vater bin, warte ich auf jeden von euch – mit offenen Armen.
Das ist mein Deal.
Dann werden Blinde sehen, Lahme gehen, Tote stehen auf und der Kleinste im Himmelreich wird größer sein als mein treuer Bote Johannes“.
   
– Wow – das ist mal ein richtiger Deal!

Versteht Ihr jetzt, warum Paulus sagt: „Freut Euch! Immer wieder sage ich Euch „Freuet Euch!“

Habt Ihr nie gehört den Satz?
Ist Euch das so egal, was in der Bibel steht?
Ach so! Ihr glaubt das nicht wirklich, was Jesus sagt.
Ihr glaubt das nicht wirklich, was die Apostel sagen.
Ihr meint: Lieber nicht freuen, lieber gebückt und ein Gesicht, wie ein Sünder?

Warum seid Ihr dann hier? So als Versicherung – vorsichtshalber – man weiß ja nie?
Oder weil die Bischöfe, Rom, die Priester, weil die alle sagen, dass ihr doch immer schön kommen sollt?
Weiß Gott, wo wir später sonst noch landen – ich meine nach der Beerdigung?
Fegefeuer oder Hölle? Himmel? – werden wir da oben überhaupt reingelassen?
Nur die Guten kommen doch in den Himmel.

Das ist alles nicht der Deal, den Jesus mit uns Menschen gemacht hat.
Ok, er hat gesagt: „Strengt Euch an. Tut Gutes denen die euch hassen, liebt einander wie ich euch geliebt habe“.

Aber er hat auch gesagt: „Nun kommt doch alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch Freude verschaffen!“
Gott muss schon ganz schön ver – rückt sein, zumindest was unser Denken betrifft, dass er mit uns – auch mit euch – so einen Deal macht.
Aber er ist Gott – er ist unser Gott, der Heiland, auf sie kann man sich verlassen! Immer!

„Freut Euch und abermals sage ich euch, nun freut euch doch endlich!“
Gefühlt 100x hat Jesus auch gesagt: „Fürchtet Euch nicht!“
Meint ihr nicht auch – Wenigstens uns freuen, das sollten wir doch dann schon tun?

Paulus hat es scheinbar damals schon verstanden. Paulus leitet aus seiner Freude an Gott, aus seiner Freude an eine Zukunft mit ihm, eine ganz klare Haltung für diese Welt ab. Er sagt: „Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren, denn der Herr ist nahe“

Es geht da um eine Lebenshaltung – unsere Lebensgrundhaltung!
Weil wir glauben wollen, und sonst wäre niemand hier von euch, dass Gott uns nahe ist, dass er uns liebt, sollen wir mitten in unserer Welt Spuren von der Zukunft Gottes legen.
Und diese Spuren, Spuren der Freude, Spuren der Liebe sollen wir nicht im stillen Kämmerlein oder im Keller legen, auch nicht hier in der Kirche, nein diese Spuren sollen zu den Menschen führen, zu denen die uns brauchen, unser Wort, unsere Umarmung, unsere Hilfe – ja auch unser Geld.
Wenn wir Jesus im wirklichen Leben begegnen wollen, dann bestimmt nicht beim Singen fröhlicher Lieder mit ernstem Gesicht.
Hier in der Eucharistie, beim Beten, da sagt er uns, was wir tun sollen.
Begegnen können wir ihm aber nur auf der Straße, im Alltag, bei den Sorgen und Ängsten der Menschen – bei den Kranken, beim Nachbarn, ja auch bei den Pennern und den Flüchtlingen.

Da hatte Jesus damals seinen Platz und da ist er auch heute noch zu finden. Jesus hat so viele Menschen froh gemacht. Die Aussätzigen, die Kranken, die Einsamen, die Ehebrecher, und vor allem die Kinder.
Meine Freundin Mutter Teresa sagte: „Lass nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist.“
Und wenn wir das alles nicht glauben wollen und danach leben wollen, können wir auch zuhause auf dem Sofa die Füße hochlegen und brauchen uns bei dem Mistwetter nicht auf den Weg hier in die Bänke zu machen.

Gottes Deal ist so ein wunderbares Geschenk für uns.

Darum sagt Paulus: „Freut Euch!“ „Noch einmal sage ich Euch, freut euch!“, liebt einander, helft einander, versöhnt euch, teilt euer Brot, besucht die Einsamen, seit mit eurer Freude Vorbild für die Kinder und alle Menschen“.
Auch wir hier haben doch gewonnen, den großen Preis, – einen Platz bei und mit Gott!

In diesen Tagen, wenn wir seine Geburt feiern, da hat er damals den Grundstein gelegt für seinen Deal.
Er ist Mensch geworden für uns, im Stall, im Elend.
Und bei den Menschen ist er auch heute noch.

Danke! – welch ein wunderbarer Gott!
Gaudete! Freut Euch!
Und abermals sage ich Euch: „Freut Euch!“

Predigt 33. So. C – 17. 11. 2019 – Endzeitversicherung

33. So. C – 17. 11. 2019 – Endzeitversicherung

Eine Versicherung, das ist schon was Gutes!
Ich bin ja so dankbar, dass ich immer gute Versicherungen hatte. Ein paar Mal gebraucht bei 4 Kindern, kurz nach dem Führerschein, dann Sturmschaden, Rohrbruch, Abschleppdienst, Glasbruch und natürlich habe ich eine gute Krankenversicherung.
 
Jetzt habe ich gelesen, dass man für 12 Euro sogar eine Ufo-Versicherung abschließen kann, wenn die bei einer Landung in meinem Garten Schaden anrichten.
Ich überlege noch!
Rundherum abgesichert sein, ist schon ne gute Sache, denn wer gut versichert ist, dem kann eigentlich gar nichts mehr passieren.

In allen Religionen und zu allen Zeiten haben Menschen sich eine Versicherung gesucht. Sie haben gebetet oder Opfer gebracht, oder Rituale eingehalten, auch in der kath. Kirche, in der Hoffnung, dadurch schweren Schaden von sich und der Welt abzuhalten.

So auch die Israelis damals, sie lebten mit dem festen Glauben so eine Versicherung abgeschlossen zu haben. Dafür hatten sie ja sogar extra einen Bund mit Gott geschlossen. Und dieser Bund sollte ihnen das Wohlergehen garantieren – wie eine Superlebensversicherung für alle Fälle und alle Zeiten.

Sie hatten sogar eine vorzeigbare Versicherungspolice!
Jawoll – das war nämlich bis zur der Zeit Jesu, der Tempel in Jerusalem. Solange dieser Tempel steht, solange Gott in diesem Tempel mitten unter den Menschen wohnt, solange kann dem Volk Israels gar nichts Böses passieren.
Das war wie eine Vollkasko gegen alles – wenn man auch das Kleingedruckte gelesen hätte!

Und die Israelis hatten es nicht gelesen, hatte nicht mal begriffen, was dieser Vertrag wirklich bedeutet.

Und diesen Menschen das klar zu machen, das war die Aufgabe auch von Jesus in seiner Zeit. Und Jesus kannte sich aus. Das alte Testament – die Thora – war auch sein Glaubensbuch.

Und Jesus kannte auch die Stelle von Jeremia, der sinngemäß schrieb:
„Ihr Menschen – Vertraut nicht den trügerischen Worten, wenn gesagt wird: Wo der Tempel des Herrn ist kann euch nichts passieren! So nicht!
Nur wenn ihr euer Verhalten von Grund auf bessert und euer Tun überdenkt,
wenn ihr euch gerecht verhaltet im Umgang mit dem Nächsten,
wenn ihr die Fremden nicht abweist in euerm Land, sondern ihnen helft,
wenn ihr die Armen und Schwachen nicht unterdrückt,
wenn ihr den Anderen durch Worte und Taten nicht verletzt
und euch nicht andere weltliche Dinge wichtiger sind, als die Worte Gottes,
dann und nur dann will Gott bei euch wohnen hier an diesem Ort,
in dem Land, das ich euren Vätern gegeben habe, für ewige Zeiten.“

Jeremia sagte damals schon den Menschen, dass die Versicherungspolice nicht der schön hergerichtete, teure und vergoldete Tempel sei, auch nicht das regelmäßige Erscheinen zum Gottesdienst und großzügige Geben und Darbringen von Opfern.
Die eigentliche Police war die Bundescharta, die Wegweisung, die Gott seinem Volk mit auf die lebenslange Wanderschaft gegeben hat.
Nämlich – Die Thora, die 5 Bücher Mose, die dem Volk klar machen sollen, wie es sein Leben zusammen mit Gott gestalten soll.

Und jetzt kommt Jesus.
Er setzt noch einen drauf.
Er bringt das Ganze auf den Punkt.
Er sagt: Was schielt ihr immer so auf den Tempel. Glaubt Ihr wirklich, dieser schöne Tempel ist das Wichtigste?

Das ist ein Bau – von Menschenhand, einfach Stein auf Stein und der wird es nicht überleben. Bei dem bleibt kein Stein auf dem andern.

Dieser von euch gebaute und geschmückte Tempel garantiert euch nicht eine ewige Zukunft mit mir.
Haltet Euch an meine Worte!!
Nur so habt ihr die richtige Richtung.
Ich bin der Weg! Was ich sage ist die Wahrheit und ich bringe euch das Leben.

Kapiert Freunde, hier in der Thaddäus Kirche?
Glaube – das ist keine UFO Versicherung!
Das ist nix –  nur schöne Kirche, Sonntags immer frisch geduscht erscheinen und fromm Gebete sprechen!
Das ist das falsche Pferd – sagt Jesus!
Nur äußerliche Dinge, rote, violette oder grüne Gewänder, ein paar Cent in den Kollektenkorb, in der Kirche am liebsten in die letzte Bank und dann ein ernstes Gesicht – und das wars – das alles wird unser Überleben nicht garantieren.
Diese Versicherung ist ne reine Nullnummer.

Wer Jesus nachfolgen will, der findet seine Lebens-Anweisung allein in seiner Botschaft.
Macht euch fest an unserem Gott, sagt er.
Haltet euch an ihn und seinem Beispiel.
Tut das was die Liebe euch eingibt und nicht die Gesetze und das, was euch Ansehen und Lob verschafft.
Nicht euer frommes plappern bringt euch das Leben,
sondern eine lebendige Beziehung zu unserm Gott,
die in euerm Tun auch im Alltag, bei der Arbeit, in der Familie,
im Umgang mit Fremden,
Gottes Liebe spiegelt, lebendig und sichtbar macht.

Solche lebendige ehrliche Beziehung zu unserm Gott,
dieses mit IHM auf du und du sein,
ihn erkennen auch in dem Nächsten,
das ist es, was unserem Leben wirklich Halt geben kann;
einen Halt, der, wie Jesus im heutigen Evangelium deutlich macht uns auch die Kraft geben will, für ihn Zeugnis abzulegen.

Viele Menschen heute, auch in Verl, haben diesen Halt, diesen Glauben an Gott nicht mehr.
Sie lesen nicht in der Bibel, sie wissen vielleicht nicht mal was das ist.

Die einzige Bibel, der sie im Alltag begegnen – DAS SIND WIR!

29. Sonntag C – 20.10. 2019 – LUKAS 18,1‑8

29. Sonntag im Jahreskreis C – 20. Oktober 2019 – LUKAS 18,1‑8
Zurzeit tagt in Rom die Amazonasynode. Es geht dort um die zukünftige und neuzeitliche Entwicklung der katholischen Kirche in Südamerika, aber sicher auch mit Auswirkungen auf den Rest der Welt. Papst Franziskus sagte dort zur Eröffnung: Das Feuer des Glaubens erlischt, wenn es nicht lebendig erhalten wird. Es geht aus, wenn die Asche es bedeckt, wenn alles so bleibt wie es ist! Wenn man sagt, es muss alles so bleiben, wie es ist, wird auch unser Glaube ersticken!“

 Jesus sagt:
            Ich bin gekommen,
            die Sünder zu erlösen.

Er schaut mich an.
Er schaut dich an.
Er schaut uns an.
            Ich bin gekommen,
            die Sünder zu erlösen.

Ich sehe weg.
Du siehst weg.
Wir sehen weg.
            Ich bin gekommen,
            die Sünder zu erlösen.

Ich habe nichts zu bereuen.
Du hast nichts zu bereuen.
Wir haben nichts zu bereuen.
            Jesus sagt:
            Ich bin gegangen,
            denn bei den Gerechten
            habe ich nichts verloren.
   (Roland Breitenbach)

Sind sie nun verunsichert? Gehören Sie auch zu den Gerechten?  oder vielleicht doch zu den Sündern?

Können Sie, können wir, kann ich das eigentlich, – wirklich gerecht leben?
Wo ordnen Sie sich denn hier ein? Haben Sie ihren richtigen Glauben gefunden – ich meine den, mit der Botschaft Jesu? Und leben Sie auch danach? Immer? Alle zufrieden hier?
Gibt es eigentlich im Glauben so etwas wie das Richtige oder das Gute oder auch das Böse oder das Falsche?

Es ist ein ganz schön kantiges und schwieriges Evangelium, das uns an diesem Sonntag zugemutet ist. Das wirklich Richtige oder auch das Recht oder das Gute, scheint den Richter in der Geschichte von Jesus nicht zu interessieren.
Er ist von sich selbst sehr überzeugt – so wie wir? So wie ich?  
Der Richter fürchtet nichts und niemanden.
Vom ersten Eindruck her ist er eher eine unangenehme Persönlichkeit, überheblich, scheinbar unangreifbar und von nichts zu beeindrucken.

Aber dann ist da diese Witwe. Sie will ihr Recht.
Der Richter scheint auch zu wissen, dass sie eigentlich Recht hat – ist ihm sch… egal.
Denn, wer ist die schon? Bloß eine Witwe, – und kein Geld.
Für den Richter ist sie unwichtig, bedeutungslos.
Und doch. Sie ist hartnäckig, wie ein quengelndes Kind, sie beharrt auf ihrem Recht.
Geht ihm sowas auf die Nerven, ist immer wieder da, gibt nicht auf.
Diese Witwe ist absolut unbeeindruckt von der uneingeschränkten Macht dieses Richters.

Und er? – Er bekommt Angst. Er sorgt sich um sein öffentliches Ansehen. Was wird sein, wenn
sie ihm ins Gesicht schlägt. Sein Ansehen wird Schaden nehmen. Nur das nicht! Was denken dann die Leute! Und so verhilft er der Witwe dann doch zu ihrem Recht.
Aber wenn wir das Evangelium auf Gott übertragen, es geht ja schließlich ums Gebet, ist unser Gott hier etwa der ungerechte Richter? Das kann doch wohl nicht sein.

Will Jesus uns hier an diesem Beispiel über unsere gewohnten Meinungen, unsere verstaubten und seit Jahrhunderten gepflegten Einstellungen stolpern lassen?
Gerade in Sachen Religion werden viele Dinge ja zum Gesetz, oder kirchlich zum Dogma, und dadurch zum für alle und alle Zeiten verbindlichen Gesetz gemacht.

Wenn seit Jahrhunderten Gültiges hinterfragt wird oder bekannte Gewohnheiten und uralte Gebräuche verlassen werden, sind viele Menschen zunächst verunsichert und haben Angst.

Evangelien wie heute, können uns aber gerade mit ihrem Gespött, aber auch mit ihrer eigenwilligen Methode, wie die der Witwe, anfragen und aufrütteln.

Und so müssen wir uns alle, in unserer alt und grauhaarig gewordenen Kirche fragen, wie es weiter gehen kann. Wir müssen uns fragen, welches Evangelium würde Jesus uns heute erzählen.  
Ich bin unserm Papst Franziskus sehr dankbar für seine Worte: Wenn man sagt, es muss alles so bleiben, wie es ist, wird auch unser Glaube ersticken!“
Auch in Deutschland haben wir nicht nur unter den Bischöfen die Modernisierungsdiskussion.
Es muss was geschehen in der kath. Kirche, weiter so – geht nicht. War doch toll, letzten Sonntag im Familiengottesdienst, so viele Kinder und junge Familien, strahlende Gesichter, ehrliches Lachen und eine Sprache, die Kinder und jeder verstehen konnte.

Es gibt viele strittige Themen, über die auch die Bischöfe in Rom mit Papst Franziskus diskutieren.

– Was tun gegen den Priestermangel?
– Frauen können keine Priesterinnen werden, nicht mal Diakoninnen.
– Unsere Priester, auch manche Diakone, müssen zölibatär leben, dürfen keine Familie haben.
– Wer einmal in der Ehe scheiterte, kann nicht wieder heiraten und zu den Sakramenten
  zugelassen werden!
– Eine zeitgemäße Sprache in den offiziellen Gottesdiensten, entspricht nicht der Tradition.
– Eine Liebesbeziehung geht nur zwischen Mann und Frau – Homosexualität ist Sünde!
– Evangelische Christen sollen eher nicht an unserer Kommunion teilnehmen und wir bleiben
  besser ihrer Abendmahlfeier fern.
– und es gibt noch viele andere Themen unter denen die Menschen leiden

Glauben Sie auch, dass es in diesen und vielen anderen Punkten dringend Gesprächsbedarf gibt? Lasst uns auch hier in Verl darüber reden, in den Gremien, beim Kirchenkaffee, zuhause – aber unvoreingenommen und liebevoll.
Was ist Jesu Botschaft übersetzt in die heutige Zeit?
Ich glaube, dass Papst Franziskus sonst recht hat. „Unsere Kirche erstickt ihren eigenen, so wertvollen und hilfreichen Glauben“.
Denn Jesu Botschaft, seine Taten und seine Liebe, werden auch heute, 2000 Jahre später noch, dringend gebraucht – aber nicht in Hebräisch, oder griechisch oder Latein, sondern in unserer Sprache und unserer Geschichte.  Und er sucht auch heute Menschen, die offen sind für seine Botschaft – eine Botschaft die richtet – aufrichtet.

Dann haben wir auch wieder die Chance, wie der Evangelist Lukas schreibt „dass der Menschensohn noch Glauben vorfindet, wenn er wiederkommt!“
Und dass er nicht zu uns sagt, wie in der Meditation am Anfang:
„Ich bin wieder gegangen, denn bei den Gerechten, habe ich nichts verloren!“.

24. So. C.„Egal, welchen Scheiß du machst, komm nach Hause, ich helfe Dir!“ Lk 15,1-3.11-32

Es gibt Sätze, die man nie vergisst. Unser Papa sagte zu uns Kindern immer wieder – in emsländischem Deutsch: „Egal, welchen Scheiß du machst, komm nach Hause, ich helfe Dir!“ Hat er auch gemacht.
Solch einen Satz vergisst man sein Leben lang nicht und ich habe ihn unseren Kindern auch immer wieder gesagt. So ein Hilfsangebot ist mit allem Geld dieser Welt nicht aufzuwiegen.
Vor allem dann nicht, wenn man weiß, mit welcher Liebe dieses vom Gegenüber gesagt worden ist.
Nur wer Ähnliches selbst gehört und erlebt hat, wird ahnen können, was solch ein Satz in einem Menschen auslösen kann.
Wer jemals auf solche Worte in seinem Leben gewartet hat oder immer noch darauf wartet, der wird von dem berührt sein, was Lukas in seinem Evangelium vom „Barmherzigen Vater“ erzählt:

„Alle Zöllner und Sünder kamen zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte Jesus ihnen ein Gleichnis und sagte: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf.
Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen und ich komme hier vor Hunger um.
Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schuhe an.
Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.“

In dieser Erzählung finde ich alles, was für mich zu einem tollen Vater, oder auch Mutter gehört.
Hier lässt der Vater seinem jüngeren Sohn Freiraum, engt ihn nicht ein.
Als er wegwill, teilt er sogar das Vermögen der Familie, auch wenn es schmerzt.
Seinen Sohn ziehen zu lassen, heißt für ihn aber nicht: Die Brücken abzubrechen und ihn für immer abzuschreiben. Wenn er ihn auch aus den Augen verliert, die nicht zu tötende Liebe zu ihm bleibt weiter bestehen.
In seinen Gedanken ist er immer bei ihm und hofft, dass er irgendwann den Weg zurückfindet.
Dieser Vater will sich auch beim Wort nehmen lassen „Egal, was Du machst, komm nach Hause, ich helfe Dir.“
Auch wenn dieser Satz bei Lukas so nicht überliefert ist, er steht unausgesprochen im Raum. Und er wird eingelöst. Der gescheiterte Sohn kehrt zurück und der Vater macht den großen Schritt und kommt ihm entgegen. Jetzt ist nicht Zeit auf und abzurechnen, zu fluchen oder zu schweigen, sondern es ist Augenblick reinster Freude über das Wiederhaben des Kindes. Und es gibt noch eine Steigerung.
Er setzt ihn wieder als Sohn und Erben ein, ohne – hört zu Leute – ohne Bedingungen zu stellen.
Alles soll wieder wie vorher sein, so als hätte es eine traurige Vorgeschichte nie gegeben.
1000-mal gehört und immer wieder rührt diese Liebesgeschichte an. Weil sie zunächst einmal zeigt, dass ausreichend Platz und Zeit sein muss, damit ein Kind sich in Freiheit ausprobieren darf. Und dass Scheitern – auch mehrmals – niemandem zum endgültigen Verhängnis werden muss. Sondern, dass es zumindest bei Gott immer, immer einen Weg zurückgibt.

Viele Menschen, auch Jugendliche, können ein Lied davon singen, was es heißt, wenn Lebensplanungen zerbrechen. Wenn tolle Ideen wie Seifenblasen platzen. Wem heute noch die Welt zu gehören scheint, der kann schon morgen in eine Situation kommen, die dem Schweinehüten des jüngeren Sohnes vergleichbar ist. Hartz 4 annehmen, Knast, obdachlos.
Denn nicht jeder hat, wie in diesem Gleichnis, das Glück so einen Vater, oder auch Partner zu haben, der erst mal sagt: „Egal welchen Mist Du gemacht hast, gut, dass Du wieder da bist, ich helfe Dir“.

Aber unsere Geschichte geht noch weiter. Sie erzählt auch von dem anderen Sohn, der sich mit der Rückkehr des Bruders und der Güte des barmherzigen Vaters um sein Leben betrogen fühlt.

„Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.“
So einen Sohn, wie den zweiten, wünschen sich Eltern. Treu, arbeitsam und pflichtbewusst. Einer, der immer gehorsam ist, der keinen Mist baut, auf den man sich verlassen kann.

Doch dieser Sohn empfindet die Sonderbehandlung des jüngeren Bruders als großes Unrecht. Der Kleine hat Party ohne Ende gemacht, gesoffen und Drogen. Die Nachbarn tratschen heimlich grinsend über die Familie. Und dieses Blag wird jetzt auch noch belohnt.
Seine Vorstellung einer gerechten Welt scheint für den Älteren nicht zu funktionieren.
Sollte das etwa wirklich auch Gottes Gerechtigkeit sein?

Die Gedanken des älteren Sohnes kann ich schon auch ein ganzes Stück verstehen – Sie auch?
Ein gutes, ordentliches und pflichtbewusstes Leben, so wie es sich gehört – voller Einsatz und tüchtiges Lernen, soll in meinen Augen dann natürlich auch belohnt werden, was denn sonst?
Es soll einfach nur gerecht zugehen in der Welt und im Leben, auch für die Anderen, rechts und links, so stelle ich mir das Miteinander jedenfalls schon vor.
Doch komisch – das Evangelium folgt Arthurs menschlich verständlichen Überlegungen nicht, sondern zeigt eine ganz andere Gerechtigkeit, die mir in meinem kleinen Hirn zunächst verschlossen bleibt.
Jesu Botschaft setzt bei dem an, was sich niemand verdienen kann und niemand verdienen muss.
Über jedem Leben steht nämlich die Zusage unseres barmherzigen Gottes, dass bei ihm keiner verloren ist. Egal wie und wie oft er sich von ihm entfernt, oder welchen Fehler er gemacht hat.
Bei Gott gilt nicht die menschliche Messlatte.
Gott zählt nicht wie wir! Gott rechnet nicht wie wir!
Denn unser Gott hat eine Schwäche für alle Menschen – auch für mich und natürlich auch für Euch.

Der Evangelist Lukas hat in diesem Gleichnis die Zerrissenheit, aber auch die große Sehnsucht des Menschen aufgearbeitet.
Wüssten wir sonst nichts über diesen unsern Gott als nur das, was hier beschrieben wird, es würde ausreichen, um zu spüren, mit welchem gigantischem, unbegreifbaren Gegenüber der Mensch es mit Gott zu tun hat.
Nämlich mit einem barmherzigen Gott, der eine liebende Schwäche für den schwach gewordenen Menschen hat. Für den Menschen, der unten angekommen ist, im Sumpf, in der Gülle, so tief, dass es tiefer nicht mehr geht. Und auch für den, der sich vom Leben betrogen und benachteiligt fühlt. Der mit Gott hadert und vielleicht schon verbittert seinen Glauben aufgegeben hat.
Das Gleichnis vom barmherzigen Vater ist ein Zeugnis für großartige Elternliebe, die kein Kind verloren gibt, es immer werthält, ihr Kind zu sein und zu bleiben, was immer auch geschieht.
Vergesse ich nie:
„Egal, welchen Scheiß du machst, komm nach Hause, ich helfe Dir!“
AMEN

PREDIGT – 13. SO. C – 2019 – Lk 9,51-62 – Unsere Nachfolge –

PREDIGT – 13. So. C – 2019 – Lk 9,51-62 – Unsere Nachfolge –
Na, heute Sonntag – alle ruhig und gelassen?
Heute vor der Messe noch schnell aufs Handy geschaut, ob es was Neues gibt?
Alle jetzt ganz konzentriert auf den Gottesdienst und eine gute Predigt von Arthur?

Wenn ich so schaue, bin ich ja älter als die meisten hier, als die Frauen sowie so.
Darum kann ich mich noch gut erinnern, als wir den ersten Fernseher bekamen.
Natürlich Schwarzweiß und nur zwei Programme – später noch ein Regionalprogramm.

Seit auf jedem Balkon oder Dach eine Parabolantenne hängt oder vielleicht sogar ein Kabelanschluss liegt, ist es für viele ungewöhnlich schwer geworden „Fernsehen zu schauen“ und das richtige Programm zu wählen.
Und so „Zappt“ man sich durch alle Programme, von einem Kanal zum andern.
Und manche schauen zwei Stunden Fernsehen, haben aber keinen Film oder keine Show zu Ende geschaut, also eigentlich die Zeit vertrödelt und nichts gesehen.

Das ist wie mit der Maus im Laden:
Einmal lief eine Maus nachts in den Laden. Sie roch all die leckeren Sachen: Butter und Speck und Wurst und Käse und Brot und Kuchen und Schokolade und Nüsse und frische Möhren. Zuerst setzte sie sich auf die Hinterbeine und streckte das Schnäuzchen in die Luft und pfiff vor Freude. Aber womit sollte die anfangen? Sie wollte gerade an einem guten Butterpaket knabbern, da roch es von der einen Seite so gut nach Speck und von der anderen Seite so gut nach Käse! Sie wollte gerade an dem Käse knabbern, da roch es auf der einen Seite so gut nach Wurst und von der anderen Seite roch es so gut nach Schokolade! Sie wollte gerade an der Schokolade knabbern, da roch es von der einen Seite so gut nach Kuchen und von der anderen Seite roch es wieder so gut nach Butter! Die arme Maus lief immer hin und her. Sie wusste und wusste nicht, was sie zuerst fressen sollte. Und auf einmal wurde es hell, und die Leute kamen in den Laden. Sie jagten die Maus nach draußen.Die Maus sagte zu den anderen Mäusen: „Nie mehr gehe ich in den Laden! Wenn man gerade anfangen will zu fressen, wird man weggejagt.

Gehören Sie auch zur großen Mäusefamilie?
Einfach so durchs Leben zappen. Mir das aussuchen was mir passt und wozu ich gerade Bock habe, tun was mir Spaß macht.
Die meisten von uns wissen aber, die Wirklichkeit unseres Lebens sieht anders aus.
Es gibt auch viele Dinge, die keinen Spaß machen: Krankheit, Schmerzen, Kraftlosigkeit, Krisen, Abschied und Sterben, Verbitterung und Verlust.
Alles Entwicklungen, alles Fakten, die wir nicht einfach wegzappen können.
Und so ist das mit unserem christlichen Glauben auch.
So wie ich mit der Fernbedienung mir das Programm aussuche, oder bei Spotify die Musik, die mir gefällt oder auf die ich Lust habe, so suchen manche sich auch im Glauben aus, was ihnen gerade nützt, zappen von einer Ausnahme zur anderen – und alles andere wird ausgeblendet oder als altmodisch abgestempelt.

Bei Festlichkeiten oder besonderen Anlässen zu Gottesdienst gehen, das ist ok. Aber den not-wendigen Kontakt zu unserem Gott und seiner Gemeinschaft suchen – so eng sehen wir das auch nicht.

Wenn wir hin und wieder mal für die Not in der Welt kollektieren, das ist ok, aber unser Geld sollte eigentlich lieber in unserer Gemeinde bleiben, auch das vom Pfarrfest. Mit den verhungernden Kindern im Jemen sind wir, Gott sei Dank nicht verwandt und die sind so weit weg – und Schuld haben sowieso die Iraner und sonstigen Araber.

Die Stadt Verl hat ja Container aufgestellt für die Flüchtlinge. Es regnet nicht rein, ist warm. Klamotten gibt es günstig bei der Caritas und das Geld soll wohl für das Essen reichen. Da brauchen wir uns doch nicht auch noch kümmern. Die meisten sind nicht mal Christen.

Selbstverständlich beten wir vor dem Essen, ok – manchmal, aber bitte nur zuhause – muss ja nicht jeder sehen.

Liebe Nachfolger von Jesus:
Erinnern Sie sich noch an das Evangelium von eben?
Jesus sagt nicht: „Eiert rum wie die Mäuse. Folgt mir nur, wenn es Euch passt. Tut das, was Euch gefällt!“ Jesus macht für jeden von uns eine klare unmissverständliche Ansage: „Folge mir nach!“
Viele wollen das auch gerne tun – aber – vorher wählen sie aus.
Nachfolge ist schon ok, aber, aber, aber, aber …….

Freunde Christi!    Christsein ist keine Sache von Beliebigkeit – Christsein bedeutet sich klar und eindeutig zu entscheiden.
Da wo unsere Nachfolge nur darin besteht nichts Böses zu tun, ist sie von Faulheit kaum zu unterscheiden.

Wer glaubt und ihm nachfolgen will, wählt sein Tun nicht aus wie eine Ferienreise aus dem Katalog oder Internet.
Nein – er lässt sich auf Jesus ein   …… und zwar ohne Wenn und Aber.

Glaube leben ist mehr als das, was mir gerade Spaß macht, oder wozu ich gerade Lust habe.
Gelebter Glaube sind reale Schritte auf dem Weg der Nachfolge – und das mit allen Konsequenzen.

„Ein bisschen nachfolgen“ funktioniert nicht – genau wie ich auch nicht ein bisschen heiraten kann, auch wenn manche das versuchen.

Gottes Liebe und Nachfolge will uns ganz!
Und das ohne Halbheiten, ohne Hintertürchen.
Er schenkt sich uns auch – ganz – total, auch mit unseren Schwächen und Fehlern. Wahnsinn – welch ein Geschenk!

Seit Jahren mache ich Gottesdienst hier im Kindergarten.
Es ist sehr schwer, Worte oder eine Sprache zu finden, die die Kinder von 1 ½ bis 6 Jahren verstehen können.
Darum beginnen wir jeden Gottesdienst mit dem Kreuzzeichen und sagen dabei vereinfacht: „Gott hat mich lieb!“
Das ist für mich zu einem Ohrwurm geworden.

Jeden Morgen sitze ich auf der Bettkante und beginne den Tag: „Gott hat mich lieb!“ Natürlich muss ich auch manchmal schmunzeln und wundere mich über unsern Gott, der mich – Arthur – liebt.
Aber diese seine Zusage gibt mir Mut und Kraft um jeden Tag neu anzufangen und ihm zu folgen.
Lasst es uns doch einmal zusammen versuchen:  + „Gott hat mich lieb“!

Amen

Predigt – 5. So. Ostern 2019, Offenbarung + Joh. 13,31 35-

Predigt – 5. Sonntag der Osterzeit – 19. Mai 2019 –
Es sollte eigentlich eine beispielhafte Liebesgeschichte werden. So wie man sich echte und tiefe und ehrliche Liebe vorstellt.
Das Gefühl, man gehört zusammen, egal was kommt.
Alles Denken und Tun ist geprägt von Hilfsbereitschaft, dem Gefühl – wir haben uns wirklich lieb.
Jetzt nicht wie bei „Traumschiff“ oder sonstigen Kitschfilmen – eine ehrliche echte, dauerhaft haltbare Liebesgeschichte sollte es werden – die Geschichte unserer Kirche.
Daraus geworden ist alles andere als das.

Natürlich gab es tolle Menschen, beispielhafte Leistungen, vorbildliches Leben, zutiefst gelebte Liebe – aber mit den Lieb-losigkeiten unserer Kirche könnte man ein ganzes Lexikon füllen.

Da muss ich jetzt nicht alles aufzählen:
– wie die Bekehrung mit dem Schwert,
– die Realitäten über Folter und Inquisition,
– die düsteren Machenschaften einiger Päpste,
– die Protzbauten und Limousinen mancher Bischöfe,
– die scheinheilig aufgemotzten Kirchen und bis heute –
– tausende geschädigten Kinder und Frauen.
So eine Liebesgeschichte braucht niemand!

Wie sagt Jesus in seinen Worten und in seinen Taten?
Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Ist das überhaupt möglich?
Kann das Realität, kann das Alltag bei uns Christen sein oder werden?
Oder ist das nur mein Traum und – natürlich – der Traum von Vielen?
Ein schlechter Traum, der vielleicht gar keine Chancen hat?

Gibt es für so eine Liebesgemeinschaft überhaupt eine Hoffnung?
„Lieben wie er“ ist das nicht eine nicht machbare Zumutung für jeden Menschen?

Ja Freunde, ich glaube „Lieben wie er“, ist wohl die größte Zumutung des Christentums.
Wer nämlich wie Jesus diese Liebe im Leben lebt, muss sich mit seinem ganzen Leben einbringen – ein großer Einsatz, der viel, ja vielleicht alles erfordert und manchmal ohne Wenn und Aber.

„Lieben wie er“
heißt nämlich manchmal auch, dass man zum Weizenkorn werden wird.
Sich selbst loslassen, hintenanstellen, sich verschenken, darauf vertrauen, dass ER da ist, ja am Ende uns das neue Leben schenkt, bei ihm und mit ihm.

„Lieben wie er“ gar nicht so einfach, das ist wirklich nicht leicht. Das ist sicher die größte Prüfung unseres Lebens.

Aber, dieses Gebot Jesu Christi, sein Testament, ist die Kernaussage unseres Glaubens.
Wenn wir das ernst nehmen, dann müssen wir unser Leben und vor allem unser Tun neu in die Hand nehmen.
Wir müssen es neu gestalten und von heute an versuchen diese Liebe zu leben über alle Lieblosigkeit, allen Hass und Neid, über allem Streit hinweg neu leben im Vertrauen, dass er uns an die Hand nimmt und hilft.
Und damit dürfen, ja müssen wir jeden Tag neu beginnen.

Diese Prüfung unserer beispielgebenden Liebe ist schwerer als alle Abi-Klausuren und Führerscheinprüfungen.
Da helfen nicht die Tonnen von produziertem Papier unserer Kirche mit immer neuen Konzepten, da helfen nicht Sprüche und fromme Worte.

Seine, Jesu Prüfung trifft uns voll im Alltag, mitten im Leben.

  • bei der Hand, die wir nicht zur Versöhnung reichen
  • bei dem Getratsche über den Bekannten oder Nachbarn
  • bei den blinden Augen vor der Not anderer Menschen
  • bei dem Einsamen, der auf uns wartet
  • bei den tauben Ohren, beim Geschrei der verhungernden Kinder


In einem neuen modernen Lied heißt es: „Liebe ist nicht nur ein Wort, Liebe, das sind Worte und Taten!“

Jesus kennt uns und er setzt unendlich viel Vertrauen in uns, in jeden von uns.
 
Er traut uns zu, das wir, die wir seinen Namen tragen, nicht nach den Maßstäben dieser Welt handeln.

ER traut uns zu, dass wir, die wir zu ihm gehören, uns an dem orientieren, was er gesagt und getan und uns vorgelebt hat.
ER traut uns zu, dass wir Geduld haben, auch da wo es uns schwer fällt.
ER traut uns zu, dass wir einander ertragen und uns annehmen, auch da wo uns jemand nicht so liegt.
ER traut uns zu, dass wir verzeihen und nicht nur 7 mal, sondern 77 Mal, jedes Mal – ja, und auch da, wo wir nicht schuld sind.

Freunde – daran soll man uns erkennen, nicht mehr: „Wie du mir, so ich dir“, sondern „wie ich euch, so auch ihr untereinander“.
Ganz schön schwer manchmal – da stimmen sie mir sicher alle zu.

Jesus traut uns zu, dass wir lieben, wie er geliebt hat, unabhängig davon

  • ob jemand reich oder arm ist
  • angesehen ist oder verachtet
  • schön gekleidet ist oder ein Penner
  • deutsch spricht oder nigerianisch
  • intelligent ist oder lernbehindert

unabhängig davon, ob wir davon profitieren oder nicht.

Und, wenn es schwer wird?
Wenn wir die Kraft nicht aufbringen können?
Als erstes sind wir gegenseitig gefragt, uns zu helfen, zu unterstützen, auch zu erinnern – an seine Liebe!


Dann ist es gut, wenn wir uns unter seinen Regenbogen stellen, seinen Schirm der Liebe, den er über uns ausbreitet.
Und das gibt uns neue Kraft, einen neuen Anfang und wenn es sein muss, jeden Tag neu.


Wenn es schwer wird und wir ihn um Hilfe bitten – er wird uns einen Weg zeigen.
Irgendwie.
Hat er mir schon oft und dann wird er das bei euch auch lange tun – Wenn wir Ohren und Herz öffnen!

Wahr ist – Wenn einer alleine träumt, dann ist das nur ein Traum.

Wenn aber viele gemeinsam träumen und an der Verwirklichung des Traumes auch echt arbeiten, dann ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit, auch einer neuen besseren Wirklichkeit unserer Kirche. Das ist das was Gott will.
Amen

Predigt – Gründonnerstag 2019 – Wenn Füße erzählen –

Predigt – Gründonnerstag 2019 – Wenn Füße erzählen –

Liebe Jüngerinnen und Jünger,
heute beginnen die drei heiligen Tage.
– das letzte Mahl Jesu
– seine Kreuzigung
– seine Auferstehung
Wir brauchen drei ganze Tage, um das Geheimnis der Liebe Gottes zu erzählen und zu feiern.
Ein Wahnsinnsliebe – kaum zu begreifen
Eine Liebe, die aufs Ganze geht und – am Ende alles gewinnt.
Eine Liebe, die durch den Tod hindurch geht und den Tod überwindet.
Eine Liebe, die den Himmel öffnet – für uns  – und somit auch die Erde aufschließt.
Mir fehlen die Worte und das ist selten, wie ich das alles beschreiben soll.

Heute feiern wir das Abendmahl Jesu. Wir treten somit in die Geschichte ein.
Wir sitzen neben den Jüngern Jesu – und erleben Jesus.
Und wenn wir nachher gehen, können wir nicht mehr so tun, als ob wir nicht dabei gewesen wären.
Und – was macht Jesus? Er wäscht als erstes seinen Jüngern die Füße!
Die Jünger liegen auf der Erde, auf Polstern. Vielleicht den Kopf auf den Arm gestützt.
Die Füße, sie sind nackt und ziemlich staubig von dem Weg, den sie gegangen sind.
Die Sandalen liegen daneben.
Alle haben jetzt Ruhe, keiner will weg. Jetzt wird gefeiert.

In einem besseren, in einem guten Haus war es eine Aufgabe der Sklaven, den Herren und den Gästen die Füße zu waschen. Sklaven gehörten nicht an den Tisch.
Der Tisch des Herrn hatte seine Gesetze, ohne was zu sagen, jeder wusste Bescheid.
Wenn sie die Augen zu machen, können sie es auch sehen, – vielleicht sogar riechen.
Füße, viele Füße, unterschiedliche Füße. Daran die Spuren des Alters, daran Spuren der Wege, Spuren von Dreck und Steinen. Sie haben alle schon Hornhaut angesetzt – wie ein Panzer.
Aber die Füße wissen von jeder Delle, von jedem Matsch, von jeder Verletzung können sie ein Lied singen.
Wie beweglich doch so ein trainierter Fuß ist. Leicht, federnd, beschwingt, wenn er zu einem geliebten Menschen geht.
Aber auch hart und schwer, wenn man die ganze Last des Lebens auf seinen Schultern spürt.

Oft kann man von weitem schon sehen, wie der Mensch drauf ist. Man erkennt es an seinem Gang. Füße – sie haben so viel Kraft diese Füße.
Sie können klettern und springen und oft über viele Kilometer laufen.
Wenn es beschwerlich wird, rutscht der Druck in die Zehen, sie krallen sich fest, sie halten das Gleichgewicht.
Wenn ich ganz fest, ganz stabil stehen will, ausruhen oder einfach nur warten will, dann sind es die Hacken, die mich tragen.

Und Jesus wäscht diese Füße – Füße waschen heißt: das Leben waschen und dabei ganz unten anzufangen, an der tiefsten Stelle – im Dreck.
Da wo es keine genialen Gedanken gibt, keinen brillanten Geist, wo es einfach nur schmutzig ist und stinkt.
Füße machen einfach nur Schritte, step by step, Lebensschritte, kleine Schritte, Schritt für Schritt.

Und unser Petrus, scheint ne schön große Klappe zu haben, – ist gar nicht mit mir verwandt – er poltert voll dazwischen. Er hat nix begriffen.
Er versteht die Sprache Jesu nicht, sein Tun, sein Beispiel – was er sagen will.
Mh ?  – Jesus macht hier den Sklaven?

Jesus sitzt, nein, liegt nicht mit am Tisch der Herren!
Bückt sich, macht sich klein, hat sein Festgewand abgelegt.
Geht doch gar nicht – passt überhaupt nicht zu dem Bild, das sich Petrus gemacht hat.
Hier läuft was falsch – sind die Rollen vertauscht, alles ist durcheinander bei diesem Mahl, dass ein Festmahl sein sollte.

Aber, wie sich die Füße der Freunde Jesu jetzt wohl fühlen?
Nicht nur der Staub ist weg.
Es sind die Füße, die sonst ganz unten sind, die im Schatten stehen, die übel riechen,  – die die ganze Liebe spüren – , die von Jesus ausgeht.

Am Anfang habe ich gesagt: Ich weiß gar nicht, wie ich das Ganze beschreiben soll, ………… aber, das habe ich schon gelernt – wer bei Mahl Jesu dabei ist, spuckt keine großen Töne, nimmt sich zurück, wirft sich nicht in Schale, trägt die Nase nicht hoch – schaut aber auf die Füße.

Und Füße erzählen:
– von den alten Menschen, die nur noch langsam gehen können, Schmerzen haben, ihre Füße nicht mehr spüren können ….
– von den Kindern, die mit Leichtigkeit durch die Welt hüpfen, als könnten ihre Füße sie in den Himmel tragen ….
– von den langen, beschwerlichen Strecken der Flüchtlinge, die in Lagern angekommen sind, dort festhängen ….
– Von den Verkäuferinnen, den Serviererinnen und Kellnern, den Krankenschwestern und Altenpflegern, die vom vielen Laufen geschwollene Füße haben ….
– Von den Sportlern, die die ganzen Träume in ihre Füße legen, in Millisekunden und weite Sprünge …..
– Und dann ist da noch der Rollstuhl, der die Füße nicht ersetzen kann und die Prothesen die einspringen müssen ….

Füße können so viel erzählen – von Nähe, von Zuwendung, von Liebe, von Wertschätzung und Achtung. Heute spielen Füße bei Jesus die Hauptrolle – in der Nacht, in der er verraten wurde.

Jesus hat von einem Beispiel gesprochen, das er uns gegeben hat.
Was an diesem Abend passiert, ist gegen alle Spielregeln, gegen alle alten Gesetze und Überlieferungen. –  Was an diesem Abend passiert ist, ist die Messlatte, ist der Auftrag an uns.
„Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich zurecht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen!“
Ja Leute, alles angekommen? – so fängt eine Geschichte an, die eine Fortsetzung sucht – bei uns, in meinem Leben.

Ich freue mich heute besonders und bin unendlich dankbar:
Jesus hat auch meine Füße gewaschen.
– sie sind durch soviel Dreck gegangen
– sie haben sich sooft auch aus dem Staub gemacht
– sie sind sooft im Lebensgestrüpp hängen geblieben
– sie sind sooft falsche Wege gegangen
– und sie sind sooft auch so müde zum weiter gehen

Wir hier sind Freundinnen und Freunde von Jesus:
Und – Jetzt sind wir dran:
Wir müssen nicht immer den guten Anzug anhaben, auch nicht das gute Kostüm und brauchen auch keine renovierte Kirche um Jesus zu treffen.
Eine Schürze steht auch uns gut!

Amen

Predigt 3. Fastensonntag 2019 – Hungertuch – MENSCH, WO BIST DU?

Predigt 3. Fastensonntag 2019 – Hungertuch – MENSCH, WO BIST DU?

MENSCH, WO BIST DU? Hören Sie, wie Gott das schreit? Seine Adern sind angeschwollen, der Schweiß steht ihm auf der Stirn:
MENSCH, WO BIST DU?
Damals hat er das gerufen, im Paradies. Adam und Eva hatten sich versteckt, weil sie gegen seine Weisung gehandelt hatten.
Bis heute hatte Gott immer wieder Anlass zu rufen:
MENSCH, WO BIST DU?
Alle verstecken sich! Die Augen sind zu! Niemand fühlt sich verantwortlich!
Weltweit schmelzen die Gletscher ab, die Meere steigen.
Minderheiten werden ausgegrenzt.
An so vielen Stellen trifft man Gleichgültigkeit und Hass.
Die Kinder verhungern weltweit, weil 5 Euro in der Woche fehlen.
17000 Menschen in 3 Jahren auf der Flucht in die Freiheit im Mittelmeer abgesoffen.
Menschliche Körper explodieren im Terror an allen Ecken.
Wie soll das weitergehen?  Wohin geht diese Reise?

MENSCH, WO BIST DU?

Das will uns das „Hungertuch“ – früher sagte man auch „Schmachtlappen“ sagen.
Es hat seinen Ursprung im Tempelvorhang, der als Erinnerung an die Kreuzigung Jesu aufgehängt wurde und den Menschen jede Ablenkung von ihrer „geistlichen Besinnung“ auf Ostern hin ersparen sollte.
Ein Hungertuch ist nie ein fertiges Bild, sondern will uns „Appetit“ machen um zu entdecken.
MENSCH, WO BIST DU?
Wo stehst DU? Und wofür stehst DU auf? Wer bist DU?
Wo zeigst DU Gesicht und Zivilcourage?

In der Mitte des Bildes sehen wir ein unfertiges Haus. Unser christliches Haus, nicht unsere teuer renovierte Kirche, sondern das gemeinsame Haus aller Christen.
Offen an einer Seite, ungeschützt und verwundbar, ein unbeschränkter, offener Zugang für alle Menschen.
Das „Wo bist DU?“ wird zum „Wo seid IHR“ Menschen?
Wo geht unsere Reise hin?
Wie kann unser Glaube, was kann das, was wir von Jesus Christus hören und versuchen zu leben, wie kann unser Leben und Tun eine neue, eine gute Richtung vorgeben für diese Welt?

Das braune und rauhe im Kreis und außen rum ist Sand, ist Dreck aus Gethsemane. Der Ort, an dem Jesus verraten wurde, an dem die Ostergeschichte angefangen hat.
Einsamkeit für Jesus, Verrat und Versagen der Jünger.
Und was macht Jesus?
Diesen Freundinnen und Freunden, uns Freundinnen und Freunden vertraut er sein Werk an. Wir stehen in seinem Testament – als Haupterben!

Und dieser Ring, der das unfertige Haus umgibt ist der Kern unseres Glaubens. Dieser goldene Ring, der die Mitte umkreist ist die Zusage Gottes, dass seine Liebe allen gilt -allen und jedem – und in besonderer Weise den Ausgegrenzten.
Und diese geheimnisvollen Schriftzeichen, fast nicht zu entziffern.
Aber sie beginnen mit dem Kreuz in rot für Jesus Christus und sie enden mit der 8, dem Zeichen der Unendlichkeit. Aber nicht liegend, nein aufrecht gestellt, als Zeichen, dass Gott aufrechte Menschen geschaffen hat, Menschen, die Verantwortung übernehmen – die vor ihm stehen dürfen – wie es in einem Hochgebet heißt um IHM zu dienen-

Und unten rechts auf dem Bild vor blauem Hintergrund – mitten in unserer Welt -, vielleicht eine Frau oder ein Mann oder beides? Mit ausgebreiteten Armen nimmt diese Person Gottes Botschaft auf und wird vom Hörenden zum Handelnden.
Wofür stehe ich ein?                 Welche Werte lebe ich und gebe sie weiter?

Das war die erste Frage Gottes an den Menschen: MENSCH, WO BIST DU?
Und dann kommt schon seine zweite Frage: Kain, wo ist Dein Bruder Abel?
Beide Fragen Gottes schallen nach bis in die heutige Welt.
Wo stehen wir Gott gegenüber und wo stehen wir im miteinander?
Die Gefahr ist so riesig, dass eine Kultur des Wohlergehens und des unendlichen Wachstums in Deutschland, Europa und einigen anderen Ländern unsensibel machen für die Schreie und Tränen der anderen.
Dass wir nicht spüren, dass wir in einer Seifenblase leben, die zwar schön ist, herrlich schillernde Farben hat, uns aber auch jederzeit um die Ohren fliegen kann.

Am Sinai sagte Jesus: „Ich kenne das Leid der Menschen“.
Dank der Medien kennen auch wir das Leid der Menschen und ihre Schreie und Gottes Botschaft muss heute neu gehört werden und vor allem umgesetzt werden – von uns.
Wir als Christen sind aufgefordert zu Hören und dann zu Handeln mit Kopf, Herz und Hand. Und da müssen wir diskutieren was zu tun ist, ggfs. auch streiten – auch im PGR, was die beste Lösung ist für alle und für unser gemeinsames Haus, das nicht auf Sand gebaut sein soll, das nicht vergoldet sein muss, sondern auf festem Felsen Bestand haben soll.

Vergessen wir nicht:
Unser Gott ist an einem besonderen Ort Mensch geworden, nämlich ganz am Rand, bei den Ausgegrenzten, den Unterdrückten, den Gequälten.
Diese Menschen heute, die alten und die jungen, die Kranken und Fremden, die Reichen und die Hungernden zusammenzuführen zu seinem „Welt-Haus“, das ist Gottes Idee.
Und wir – auch in der Sürenheide – sind eingeladen, gebeten – nein aufgefordert an diesem Auftrag Gottes mitzuarbeiten.
Und unser Haus ist dann ein Haus der offenen Türen.
Und wir müssen durch diese Türen gehen und die Grenzen unserer Pfarrgemeinde überschreiten um dorthin zu gehen, wo es schmutzig und staubig ist, wo Not und Angst zuhause sind, wo unsere Liebe gesucht wird.

So kann ein anderes Haus, ein neuer Himmel und eine neue Erde Wirklichkeit werden.

Hören wir hin, wenn Gott ruft: MENSCH, WO BIST DU?

Lassen wir uns von ihm in den Hintern treten!
Kommen wir in die Gänge und rufen:      „Hier bin ich!“                   „Hier sind wir“!